Vorgänger von Gall.
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Frankreich Aufnahme finden. Erst viel später machten in Deutsch-land Carus und Hagen den Versuch, die Kranioskopie inneuer Beleuchtung zu zeigen, aber beide hatten mit ihrem Vorstoßwenig Glück.
Warum einerseits Gall bei den Laien so viel Beifall hatteund andererseits in der Wissenschaft, trotz seiner zweifellos ehrlichgemeinten Forschungen, keinen Rückhalt fand, das erklärt sich un-gezwungen daraus, da sich für die Gallschen Untersuchungen ebennicht uur der Mediziner interessieren mußte, sondern auch derTheologe, der Jurist und der Philosoph hatten allen Grund, sichmit der neuen Lehre zu beschäftigen, denn dieselbe hatte Konse-quenzen, deren Verwirklichung aus genannte Disciplinen umgestal-tend wirken mußte. Daß die Medizin als Wissenschaft wenigEntgegenkommen zeigte, liegt darin, daß ans dem Gebiete der Ge-hirnforschung höchst wichtige Entdeckungen gemacht wurden, welchejede Phantasterei, die bei Gall eben> doch naheliegend war, aus-schlössen. Flourens entdeckte 1837 das Respirationscentrum, dieerste auf wissenschaftlicher Basis beruhende Gehirnloknlisation.Ludwig nud Claude Bernard fanden eine Stelle, deren Verletzungben Urin zuckerhaltig machte, das Mikroskop und das Tierexperi-meut gaben statt der Hypothesen greifbare Resultate. Der Unter-schied zwischen Gall und der Neuzeit beruht darin, daß er vonder äußeren Hirnschale seine Schlüsse zog, wir aber versuchen insInnere zu dringen.--
Nachdem wir nun die wissenschaftlichen Strömungen betrachtethaben, welche bis in die Mitte des Jahrhunderts hinein die deutschemedizinische Welt gefangen hielten, müssen wir eines Arztes ge-denken, der alle diese Strömungen mitgemacht hat, zu allen Stellunggenommeu hat, ohne daß er eigentlich irgendwie Hütte befruchtendwirken können. Wir finden, daß er Nademachersche Aufsätzeabdruckt uud mit Rademacher fleißig korrespondiert, er hat fürdie Homöopathie und für die Kranioskopie wohlwollende, sogarbegeisterte Worte. Wir meinen den bekannten Verfasser derMakrobiotik: Christoph Wilhelm Hufelaud (1762—1336). Hufe-land war einer der fruchtbarsten Schriftsteller seiner Zeit undeiner der gesuchtesten Ärzte, der bis an sein Lebensende die Feder
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