400 VIII. Innere Medizin und deren Hilfswissenschaften.
das Flimmerepithel des Kehlkopfes, das übrigens schon von Pur-kinje gesehen worden war, in mustergültiger Weise beschrieb. —Die Physiologie mußte über drei Fragen Ausschluß geben, überdie Funktion der Kehlkopfmuskeln, die der Nerven und über dieBildung der Stimme. Schon 179K erschien eine Studie vonTh. von Sömmering über die Wirksamkeit der Muskeln, welchevon Franxois Magendie (1783—1855) durch Versuche über diebeim Kehlkopfschlnß wirksamen Kräfte erweitert und 1829 durchRobert Willis vollendet wurde, so daß durch letzteren Autor dienoch bestehenden Zweifel gelost wurden. Schließlich uuternahm1841 F. N. Longet eine Reihe von Experimenten, indem er beiHunden die den Kehlkopf versorgenden Nerven durchschnitt unddie durchschnittenen Enden galvanisierte; auf diese Weise gelaug eSihm, genau die Wirkung jedes einzelnen von den benachbartentrennen zu können. Die Wirksamkeit der Nsrvi va^i, von denenman uur wußte, daß dereu beiderseitige Durchschneiduug den Todzur Folge hat, studierte I. F. Le Gallois und 1841 faudMarshall Hall, daß der nsrvus Ig-r^riAsus snrxzrivr ein vorwiegendcentripetaler, der I^ar^riAsus intsrior ein vorwiegend eentrifngalerNerv ift, womit der Husten bei Reizung der Kehlkvpsschleimhautund der Verschluß des Kehlkopfes beim Schlingen uud Brechenerklart werden konnte.
Während man früher angenommen hatte, daß der Kehlkopfnach Art der Saiteninstrumente gebaut ist, stellte I. B. Biot zumersten Male die Theorie auf, daß der Ton durch das Vibrierenelastischer Zungen hervorgerufen wird (1316). Als Cagniard dela Tour (1825) seine Sirene erfnnden hatte (ein Instrument,bestehend aus einer Scheibe mit einem Kreise von Löchern, durchwelche während der Notation der Scheibe ein Luftstrom getriebenwird), da war anch die Ursache der Tonerzeugung entdeckt. Nurwar damit der Mechanismus der Falsettstimme noch nicht erklärt,so daß von einzelnen Seiten behauptet wurde, diese Stimme kämegar nicht aus dem Kehlkopf. Karl Lehfeldt zeigte 1835, das;die Falsetttöne durch Schwingungen erzeugt werden, welche auf dieRänder der Stimmbänder beschränkt bleiben, — eine Anschauung,welche von Johannes Müller bestätigt wurde.