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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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402 VIII. Innere Medizin und deren Hilfswissenschaften.

und tuberkulösen Geschwüre, die Krankheiten der Knorpel und dieTumoren, sowie die Lähmungen des Kehlkopies" schildert. Dieerste größere Abhandlung über die Geschwülste stammt von den?Elberfelder Arzte G. H. Urner (1833), dem 1850 C. H. Ehrmannfolgte, der alle in der Litteratur zerstreuten Fülle sammelte undkritisch besprach.

Die Kenntnis des GlottiSoedems geht auf das Jahr 1808zurück und wird den Stndien G. S. Bayles verdankt, der einegroße Anzahl von selbstbeobachteten Fällen zur Grundlage seinerArbeit machte. Se stier verfolgte die Sache weiter und gab 1852alle bis dahin bekannten Fülle herans, wobei er elf verschiedeneFormen unterschied, die freilich der spateren Forschung nicht stand-halten konnten.

Den Fortschritten der Anatomie und Physiologie entsprachenauch die Verbesserungen in der Behandlung. Die Tracheotomiewurde, wie wir schon gesehen haben, häufig geübt. Über die Kanüle,welche nach der Tracheotomie in die Wunde eingeführt werden soll,herrschte ein Streit, der über 100 Jahre dauerte, bis man schließlichin der ueueren Zeit auf diejenige Kanüle zurückgegangen ist, dieschon 1776 von A. G. Richter angegeben worden war. EinVorgänger der heutzutage iu so großem Ansehen stehenden In-tubation war P. I. Desault, welcher den Larynxkranten, diean Atemnot litten, eine biegsame Röhre in den Kehlkopf einführte,um dadurch die Atmung zu erleichtern. Derselbe Autor war auchder erste, welcher die Thyreotomie machte, womit er aber beiseinen Zeitgenossen keine Nachahmer fand. I. Lisfrane endlichmachte beim Glottisoedem Einschnitte, scheute sich auch nicht, mitdem Fingernagel die geschwellte Schleimhaut einzureißen^und hattedamit sehr gute Erfolge, denn er konnte die Tracheotomie entbehrenund hatte gleich gnte Erfolge, wie sie bei dieser Operation be-obachtet wurden.

Eine ueue Zeit erschien für die Laryngologie mit der Erfin-dung des Kehlkopsspiegels. Wir haben derselben schon früherausführlich gedenken können uud müssen uus hier darauf be-schränken, deren Einreihung in die historische Entwickelung derLaryngologie zu schildern. Wir wissen, daß schon 1825 Cagniard