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talisten. Begreiflich, daß die Byzantiner dagegen reagierten. Der Nachfolgerdes Alexios I. , Kaiser Kalojoannes, verweigerte 1119 den Venezianern dieBestätigung ihrer Privilegien. Ich will hier nicht bei allen Einzelheiten, dieschließlich doch zu ihrer Neubestätigung führten, verweilen. Genug, daß sieerfolgte und zu weiterer Zunahme des Reichtums und weiterem Übermutder Venezianer führte. Die Griechen konnten eben die venezianische Flotteals Bundesgenosse gegen die Normannen nicht entbehren. Aber Byzanzempfand die Unverschämtheiten der Venezianer als große Schmach und sannauf Rache. Nachdem Kaiser Manuel eine große Zahl von venezianischenKaufleuten mit ihren Waren nach Byzanz gelockt, ließ er am 12. März 1171alle Venezianer in seinem Reiche gefangen nehmen und ihre Waren kon-fiszieren. Darauf ein Racheschrei in Venedig. Aber erst nachdem sich dieVenezianer 1175 mit dem Normannenkönig Wilhelm II. von Sizilien ver-bündet hatten, kam es 1179 zu einem Abkommen zwischen ihnen und demgriechischen Kaiser. Dieser ließ die Gefangenen frei und versprach dieZahlung von 15 Zentnern Gold als Schadenersatz. Aber es wurde nichtsgezahlt, und die Spannung blieb groß. Im April 1182 fanden in Byzanzsogar neue Ausbrüche der Volkswut gegen die fremden Kapitalisten statt.Erst im Jahre 1184 scheint der Friede wieder hergestellt gewesen zu sein.Jetzt endlich drang die Republik mit ihrer Schadenersatzforderung für dieGüterkonfiskation im Jahre 1171 durch. Sie ging auf 330000 Goldperper.Aber 1185 waren nur erst 2,2°/ 0 davon gezahlt. Dagegen erfolgte die Wieder-einsetzung der Venezianer in alle ihnen von Alexios I. verliehenen und dannvon Kalojoannes und Manuel bestätigten Rechte. Aber die zum Ersatz fürden 1171 ihnen zugefügten Schaden bestimmten Gelder gingen nur lang-sam ein.
Die Venezianer hatten das ihnen von den Byzantinern 1171 zugefügteU nrecht noch nicht vergessen; soll doch der Doge Dandolo selbst damalsvon den Byzantinern geblendet worden sein. Auch war die Schadenersatz-summe, zu deren Zahlung sich Kaiser Manuel verpflichtet hatte, noch immernicht ganz bezahlt. Dagegen hatten die Byzantiner den Pisanern und Ge-nuesen, den Handelsrivalen Venedigs, neuerdings Handelsvorteile erteilt, vondenen, wenn sie auch der Handelsfreiheit der Venezianer innerhalb des by-zantinischen Reichs nicht gleichkamen, die Venezianer Nachteile für sichbefürchteten.
Nun hatte, wie die Berichte zeigen, der kühl berechnende Dandolo dieFührung des ganzen Kreuzzugs in seiner Hand. Welche Gelegenheit, anden Byzantinern Rache zu nehmen, und für Venedig weitere Vorteile zu