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es mit den Klöstern im byzantinischen Reiche, wie die Novelle 19 des Nike-phoros Phokas,’) eines Kaisers von unbestreitbar außerordentlich großerFrömmigkeit zeigt. »Die Mönche«, sagte er, »besitzen keine der evange-lischen Tugenden; sie denken lediglich ohne Unterlaß auf den Erwerb ir-discher Güter«. In der Akademierede, die an der Spitze dieser Abhandlungensteht, habe ich dargelegt, wie die Beutelust der treibende Faktor aller Kriegedes Mittelalters gewesen ist. Von was anderem waren die Normannenzüge * 2 )vom ersten Auftreten der Normannen an, ihre Eroberung von England , vonSizilien und Apulien , ihre Einbrüche in das byzantinische Reich bis hin nachÄgypten beherrscht als von ungezügelter Erwerbsgier! Vom Cid, der Ver-körperung des ritterlichen Ideals der Spanier, habe ich oben erzählt, 3 ) wieall sein Tun und Treiben von skrupellosester Erwerbsgier nach Land und Vieh,Gold und Schätzen beherrscht war. Welche Rolle sie bei den Kreuzzügengespielt hat, habe ich ebenda ausreichend dargetan. Damit übereinstimmendberichtet Raoult de Caen , 4 ) Diener und Biograph des Helden des erstenKreuzzugs, Tancred von Hauteville: »Tancred wurde von großer Sorgebedrängt, als er erwog, wie sehr seine Kämpfe als Ritter mit den Vorschriftenunseres Herrn im Widerspruch zu stehen schienen. Der Herr fordert unsauf, unser Kleid und unseren Mantel dem zu geben, der da kommt, unsdesselben zu berauben. Die Pflicht des Ritters dagegen ist, dem, dem erbereits Kleid und Mantel genommen hat, auch Alles, was ihm noch bleibt,zu nehmen«. Und ist nicht das alte deutsche Reich an der Erwerbsgier zu
exheredant, ac per hoc plerosque ad flagitia et scelera propter inopiam, ad quamper hos fuerint devoluti, perpetranda compellunt, ut quasi necessario furta et latro-cinia exerceat, cui paterna rerum hereditas, ne ad eum perveniret, ab alio praereptaest. Monumenta Germaniae historica. Legum t. I 167. Hanoverae 1835.
x ) Zachariae, Novellen. Coli. III. Ch. Diehl, Etudes Byzantines. Paris 1905, p. 135.
2 ) Vgl. Depping, Histoire des expdditions maritimes des Normands etc.Paris 1844: »Normanni possident Apuliam, devicere Siciliam, propugnant Constan-tinopolien, ingerunt metum Babyloni« zitiert Depping a. a. O. p. 3 aus Guill. Pictav.Histor. Wilhelmi ducis.
3 ) Siehe oben S. 37.
4 ) Radulfus Cadomensis, Gesta Tancredi Principis bei Muratori, Script.V, 286: »Disputabat in dies secum animus prudens, eaque frequentior cum coquebatanxietas, quod militiae suae certamina praecepto videbat obviare Dominico; Dominusquippe moxillam percussum jubet et aliam percussori praebere; militia vero secularis,nec cognato sanguini parcere. Dominus tunicam auferenti dandam esse, et penu-lam admonet; militiae necessitas ambabus spoliato reliqua, quae supersunt, esseauferenda«.