Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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bitten, dafür sorgen zu wollen, daß sowohl der Kolo-nialvertrag als das Bagdadabkommen, die sich beidein Berlin zur Begutachtung befinden, ehestens er-ledigt werden. Ich habe über beide Fragen gesterntelegraphiert und halte es für unerläßlich, daß wir diebritische Regierung nicht mehr lange auf Antwortwarten lassen. Und es ist dringend erwünscht, daß nochvor meinem Urlaub bezw. vor der Abreise von Grey das heißt noch im Laufe dieses Monats beideAngelegenheiten ihre Erledigung finden und dieSchriftstücke unterzeichnet werden. Wir haben inbeiden Fragen so ziemlich alles erreicht, was zu er-reichen ist. Es kann sich also höchstens noch darumhandeln, in der Bagdadsache einige kleinere Ver-schönerungen anzubringen. Durch Verschleppung wirddie Sache nicht besser; im Gegenteil, es würde hiernur einen peinlichen Eindruck hervorrufen. Im portu-giesischen Handel aber ist nichts mehr heraus-zuschlagen. Je eher ich zur Unterzeichnung bevoll-mächtigt werde, desto besser.

Wieichlhnenschonfrühergesagthabe,bestehthierdieausgesprocheneTendenz,unserer kolonialenAusbreitung nicht nurkeine Schwierigkeiten in den Weg zulegen, sondern ihr möglichst die Bahn zuebnen, schon um uns von der Nordsee ab-zulenken und unseren vermeintlichenLandhunger auf Gegenden zu lenken, diefür die britische Machtstellung un-bedenklich erscheinen. Man wird aber nichtin den Vertrag irgend etwas auf nehmen wollen, wasEngland Portugal gegenüber ins Unrecht setzt, unddaher alles zu vermeiden suchen, was als eine Preis-gabe portugiesischen Besitzstandes gedeutet werdenkönnte. Lichnowsky.

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