Dies Werk, dessen Plan und Entstehung von Stresemann schonvor Jahresfrist lebhaft begrüßt wurde, hat in Art und Bedeutungkein Gegenstück in der Literatur: der Außenminister Frankreichs gibt hier seine einzige Buchpublikation heraus, die allein seinWollen und seine Persönlichkeit erkennen läßt und die ihn sogar fürsein eigenes Land teilweise in einem unbekannten Licht zeigt. DasEinzigartige liegt nun darin, daß der Staatsmann diese Veröffent-lichung einem deutschen Verlag übergibt, so daß das Werk erstauf diesem Umweg in sein eigenes Land gelangt. Daher wird diesBuch ein großes Aufsehen nicht allein in Deutschland erregen —bedeutet es doch eine Gabe Briands an das deutsche Volk, dar-gebracht von dem Mann, der sich seit Jahren als aufrichtigerNachbar Deutschlands bekennt und dem wir zum erstenmal eineFriedensgesinnung in der französischen Politik zu verdanken haben,trotz Poincare. Briand läßt dies Werk in dem gleichen Verlag er-scheinen, der die großen Ausgaben von Rathenau , Ebert undStresemann herausgebracht hat — bedarf es noch eines stärkerenBeweises, welche nationale Aufgabe dies Werk zu erfüllen hat?Besonders ausführlich sind hier die Erörterungen der Locarno -Probleme. Briand ist eine der interessantesten politischen Per-sönlichkeiten des heutigen Europa , ein Führer unserer Zeit. Hierist das einzige Werk, in dem er selbst Aufschluß und Rechen-schaft über sein Tun und Lassen ablegt, vor allem durch eine Aus-wahl seiner wichtigsten Reden, diesen Meisterschöpfungen. Eis istein Quellenwerk, an dem niemand Vorbeigehen kann, der dieZeitereignisse verfolgt, ein Gesamt-Selbstbildnis Briands, das weitüber ein politisches Maß hinausgeht und das sich zu einem StückWeltgeschichte weitet. Briand hat sich mit dieser Publikation so-gar noch während einer Erkrankung beschäftigt: so aufrichtig istsein Wunsch, hiermit Deutschland die Hand zu reichen.
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