132
V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN
«nach soviel Niederlagen auf beiden Seiten, nachdem so viele Führergefangen und Heere eher aus dem Felde geschlagen als überwältigtworden sind». Er glaubt den Zeitpunkt günstig für das Erscheinen vonBiondos Werk, weil nach beendetem Krieg das Gedächtnis an die voll-brachten Taten schon zu schwinden drohe. Die Kommentarien zu seineneigenen Kriegstaten sind jedoch noch nicht eingetroffen, da Manelmisie auf Biondos Mahnung hin recht ausführlich verfaßte 72 . Barbaro willsich aber noch einmal um die Fertigstellung kümmern, damit sie so baldwie möglich in die Hände Biondos kommen.
Endlich erhielt Biondo die dokumentarischen Unterlagen für seinneuntes Buch der dritten Dekade. Da es sich aber eng an die Darstellungdes Manelmo hält und wir die Kommentarien desselben noch besitzen,brauchen wir auf Biondos Buch nicht näher einzugehen. Für die Ver-breitung von Barbaros Ruhm waren freilich die im gesamten gebildetenEuropa gelesenen Dekaden Biondos von viel größerer Bedeutung alsdie nur in Italien verbreiteten Kommentarien des Manelmi. Es genügehier, an die Einführung Barbaros als handelnde Person zu erinnern, diedas Erstaunen der Humanisten widerspiegelt, daß ihr gelehrter FreundBarbaro sich über Nacht als ein berühmter und gepriesener Kriegsheld ent-puppt : «Der Kommandant der Besatzung mit dem Oberbefehl in der Stadt,Franciscus Barbarus, ein Mann, der vor dieser Zeit lediglich den Ruhmder wissenschaftlichen Begabung und der Gelehrsamkeit besaß oder, sozu sagen, nur durch Künste des Friedens glänzte, trat dem entgegen 73 .»In den nächsten sechs Jahren verstummt Biondo wohl aus politischenGründen. Papst Eugen IV. , an dessen Hof er zuerst eifrig die vene-zianische Sache vertreten hatte, — Manelmi lobt ihn in seiner Widmungan Biondo, weil er die Sache der Freiheit durch seine Ratschläge ge-fördert habe — trat während seiner letzten Regierungsjähre auf die Seitevon Mailand und Neapel gegen Venedig und dessen Kondottiere, denGrafen Sforza, den er aus seinen Besitztümern im Kirchenstaat ver-drängen sollte. Unter diesen Umständen war für einen Parteigänger dervenezianischen Sache an der Kurie keine Wirkungsmögüchkeit, und auchBarbaro mußte sich als Beamter die Freude eines Briefwechsels nachRom mit den päpstlichen Sekretären, wie mit den ihm nahestehendenPrälaten versagen, weil seine Standesgenossen in Venedig stets ein