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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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134
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134 V BARBARO ALS FREUND DER HUMANISTEN

weichen; er hatte sich nach seiner Villa in San Vigilio bei Treviso begeben. Es war kurz nach dem Regierungsantritt Nikolaus' V. in Rom ,und der neue Papst wünschte einige Bullen, die in Venedig aufbe-wahrt wurden, zu sehen. Biondo schrieb darum an den Sohn Fran-cescos, Zacharias, ohne jedoch von diesem Antwort zu erhalten, weilja niemand in Venedig war. Aus Verdruß über das vergebliche Wartenund in Furcht vor seinem neuen Herrn, mit dem er nicht im bestenEinvernehmen stand, ließ sich Biondo dazu fortreißen, den ZachariasBarbaro in recht unfreundlicher Weise für seine Versäumnis brieflichabzukanzeln. Der Vater Francesco schreibt darauf einen sehr gemessenenBrief an den alten Freund, Worte, denen man seinerseits Gekränkt-heit anmerkt, wenn er auch selbst hier seine zurückhaltende Beherrscht-heit nicht verliert: «Mich hat dieser Brief nicht wenig verdrossen;denn während sonst alles, was du tust und schreibst, mit Salz gewürztist, so daß es nicht angemessener getan und geschrieben sein könnte,drängst du meinen Sohn in dieser einen geringfügigen obzwar bleiernenSache so rücksichtslos, daß du ganz meine Natur und meine Gewohn-heit zu vergessen scheinst. Durchaus jetzt willst du jene Bullen haben,die du zu diesem Zeitpunkt nicht haben kannst 76 !» Man wolle gerneSeiner Heiligkeit zu Diensten sein, aber die betreffenden Bullen seienin einem Schrank in Venedig verschlossen, wozu nur Vater und Sohnden Zugang hätten, und er, der Vater, erlaube dem Sohn nicht, sich des-wegen in Lebensgefahr zu begeben. Auch in diesem Briefe schwenkt erbald auf ein ihnen beiden wohl angenehmeres Thema ab, auf die Romainstaurata, die er inzwischen erhalten und gelesen hat. Es scheint da-zwischen ein Brief von ihm verloren gegangen zu sein, denn Barbaronimmt darauf Bezug, daß er das Werk an anderer Stelle bereits ausführ-licher besprochen habe und hier nur noch einmal den Dank der Freundeund der anderen Altertumskundigen dem Biondo abtragen wolle: «Allewir Freunde des alten Roms schulden dir viel, weil du soviel Mühe darangewandt hast, daß man wie von einem Punkte die Denkmäler der Altenanschauen kann, die teils aus Altersschwäche und Baufälligkeit, teils durchDumpfheit und mangelnde Sachkenntnis untergegangen sind oder imBegriff waren, unterzugehen 77 .» Barbaro betrachtet es daher als seine Auf-gabe, die Werke des Freundes zu verbreiten, damit er sowohl die Früchte