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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / Karl Helfferich
Entstehung
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der belgischen Neutralität verschachere, sei gleichfalls aus-geschlossen.

Die Heftigkeit des Ausdruckes bei der Abweisung desdeutschen Angebots ist bezeichnend: Sir Edward Grey be-trachtete sich als Bundesgenossen Frankreichs, derzur Untreue verleitet werden sollte. Aus der belgi-schen Neutralität aber war er entschlossen, den Aus-gangspunkt zu machen, den er brauchte, umKabinettund öffentliche Meinung in den Krieg zu führen.

No. 113 des Blaubuches enthält das Telegramm aus Peters-burg , betreffend die Anordnung der allgemeinen Mobilmachungder russischen Streitkräfte.

No. 114 des Blanbuches enthält ein Telegramm SirEdward Greys an die Botschafter in Berlin und Paris , lautendwie folgt:

Foreign Office, July 31,1914.

I still trust that situationis not irretrievable, but inview of prospect of mobili-sation in Germany it becomesessential, to His Majesty'sGovernment, in view ofexisting treaties, to ask whetherFrench (German ) Governmentis prepared to engage torespect neutrality of Belgiumso long as no other Powerviolates it.

Foreign Office, 31. Juli 1914.

Ich vertraue noch, dass dieLage nicht unwiederbringlichverzweifelt ist, aber bei derAussicht auf die deutsche Mo-bilmachung wird es für dieenglische Regierungangesichtsbestehender Verträge not-wendig zu fragen, ob diefranzösische (deutsche) Re-gierung bereit ist, sich zuverpflichten, die NeutralitätBelgiens zu achten, so langekeine andere Macht sieverletzt.

Also Greys Antwort auf die russische Mobilmachung warnicht ein Schritt in Petersburg , sondern das Aufwerfen derbelgischen Neutralitätsfrage in Berlin die Anfrage in Paris war selbsverständlich Komödie, um den Ausgangspunkt fürEnglands Eingreifen zu gewinnen.

Es war in der Tat hohe Zeit, dass etwas nach dieserRichtung geschah; denn der französische Botschafter, der aufdie verhängnisvolle Eröflnung Greys vom 29. Juli hin sofortgehandelt und Frankreich unwiderruflich engagiert hatte, deram 30. Juli den Wechsel vom November 1912 bei Sir Edwardpräsentiert hatte und dessen Honorierung verlangte, wurdeungeduldig, als Sir Edward, gezwungen durch einen Kabinetts-beschluss, Ausflüchte machte, Grey telegraphierte am 31. Julian den englischen Botschafter in Paris (Blaubuch No. 119),dass Paul Cambon ein Telegramm Jules Cambons ausBerlin offensichtlich bestellte Arbeit vorgezeigt habe,nach welchem Deutschland durch die Ungewissneit über dieIntervention Englands ermutigt worden sei. Sir Edward ver-