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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
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leichten HerzenA ohne weiteres von ihm, wenn er auch natürlich das großeZiel des Friedens über alle Personenfragen stellte.

Nachdem das am Montag passiert war, geht am Dienstag, glaube ich,Erzberger zu Valentin!, dem Chef des Kabinetts, und bekommt von ihm ge-wissi» Znsichcrungen, so daß er tatsächlich wieder mit der Möglichkeit rech-nete, den Kanzler trotz dieses Beschlusses des Vorstandes der Zentrums-partei zu halten, und in dieser Stimmung trifft er den Herrn v. Stein aufder WilihelmstraHe und sagt ihm: Es ist für den Augenblick alles wieder imLot, Sie können ruhig reisen; bis dann am Mittwoch Sitzung in der Zen-trumssraktion ist und nunmehr ganz neue Widerstände aller Art auftreten,so daß am Donnerslrig das Zentrum endgültig beschließt: Es geht nicht.Hierauf die Besprechung am Freitag mit dem Kronprinzen, wo Erzbergernicht seine unmittelbare persönliche, ursprüngliche Ansicht, sondern eben dieAnsicht seiner Fraktion mitteilt, Bethmann-Hollweg könne nicht bleiben.

Der Kollege Aisberg hat es sich leicht gemacht, von diesen vielen Tagendie Aeußerunge:., die Erzberger Wer die Möglichkeit der Ausrechterhal-<ung des Zusammenwirkens mit Bethmann gemacht hat, gegeneinander zustellen. Ja, meine Herren, diese Widersprüche sind nur scheinbar, sie ver-schwinden, wenn man den Verlauf der Zeit in Rücksicht zieht. Man mu'ßeben die einzelnen Tage nnterscheiden. Da geht ein Entschluß hin und her,man schwankt: geht es noch? Einmal ist die Stimmung dafür, einmal da-gegen, täglich neue Bilder, täglich neue Entschlüsse, bis endlich die Entschei-dung fällt. So ist es in der ganzen Welt. Wie kann man da in einemsolchen Falle von Untreue nn,!) von UnWahrhaftigkeit reden?

Die behauptete Unwahrhaftigkcit im Prozess« selbst.

Es sind dann noch eine Reihe von Momenten aus dem Prozesse selbstgeltend gemach:, aus denen diese UnWahrhaftigkeit hervorgehen soll. Ichwill nicht näher daraus eingehen, die haben Sie schließlich alle selbst mit-erlebt. Ich begrüße sie, und begrüße sie deshalb, weil man eben an derArt und Weise, wie diese kleinen Widersprüche hier entstanden sind, sieht,wie sich bei Erzberger das Erinnerungsbild tatsächlich entwickelt. Es istmeines Erachtcns kein einziger dieser Fälle dazu geeignet, zu behaupten,Exzellenz Erzberger hätte unter seinem Eide hier etwas Falsches sagen»vollen, und wenn der Kollege Alsberg ausgerufen hat: ein junger Assessorin der Staatsanwaltschaft kann Wohl eine Anklage über zehn Meineide ausder Aussage herausbekommen, so will ich ihm das zugeben,; ober eins be-haupte ich auch: wenn der Kollege dann Verteidiger in der Hauptverhand-lung Würde, würde der Angekalgte glatt freigesprochen.

Allgemeine Schlüsse.

Ich habe nur noch einige allgemeine Schlüsse aus den vielen Einzel-heilen zu ziehen. Meine Herren, worauf ist diese Ungenauigkcit im Gedächt-nis Mückzuführen? Die Menschen sind verschieden. Es gibt solche, derenGedächtnis wie eine Kneifzange ist, und es gibt solche, die in dieser Be-ziehung weniger glücklich sind. Meistenteils ist es auch so, datz diejenigen,die das beste Gedächtnis haben, am wenigsten produzieren. Erzberger isteine frische süddeutsche, schwäbische Natur, ein Sohn des Volkes. Er trägtsein Herz, möchte ich sagen, aus der Zunge. Er reproduziert, ohne viel uach-

ZS