den. Der alte Dorfschnllehrer war ihn zn erteilen unfähig.Ich mußte zweimal die Woche über einige Berge weg zueinem besseren Lehrer wandern, während mein Vater michim Latein usw. unterwies. Den Religionsunterricht be-suchte ich mit den Konfirmanden des Dorfes. Als ich nunl 1 Jahre alt war und den ganzen Cornelius Nepos schonins Deutsche schriftlich übersetzt hatte, wurde beschlossen, michnach Eschwege auf das dort ueucrrichtete Progymnasium zuschicken. Das geschah auch zu Ostern 1842. Ich wurde indie 2. Klasse aufgenommen und bei einem Konrektor Lieber-kuecht für 210 M. jährlich in Pension gegeben. Die leib-liche Verpflegung, die ich hier erhielt, entsprach dem geringenKostgeld. Geistig wurde ich in diesem Hause aber recht angeregt.Die Frau war begabt, verstand Französisch und Italienisch,der Mann schrieb an einem religiös-philosophischen Roman,der unter dem Titel: „Adclaidc" in Sondershausen bei Enpelerschienen ist, von mir aber niemals gelesen wurde. So sahich früh vor meinen jungen Augen ein Buch entstehen undhörte im Anschluß an es von philosophischen Richtungen undProblemen sprechen. Im Glasschranke standen Hegels sämt-liche Werke. Ich verstand von den Reden des Herrn Kon-rektors, namentlich mit einem meiner Lehrer Dr. Klingender,der als Direktor des christlichen Gymnasiums in Gütcrslohgestorben ist, natürlich gar nichts. Aber ich horchte doch auf,wenn von Glauben und Unglauben, Rationalismus undOrthodoxie usw. die Rede war. llm einen Begriff von
diesen Dingen zu bekommen, kam ich auf die Idee, michmehr mit Geschichte zu befassen, über die ich schon immergern gelesen hatte. Ich ließ meinem Vater keine Ruhe, biser mir Beckers Weltgeschichte in 14 Bänden gekauft hatte.Nachdem ich in zwei Jahren das Progymnasinm durchlaufenhatte, brachte mich mein Vater Ostern 1844 auf dasGymnasium zn Hersfeld . Der Rektor der Stadtschule, einStudienfreund meines Paters, nahm mich für 240 M. jähr-lich in Pension.