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ich schon früher als Repetent der Stipendiatenanstalt bereitswirklicher von dem Kurfürsten ernannter Staatsbeamter ge-wesen war. Ich machte das jedoch nicht geltend, da es mirnur eine Formalität zu sein schien, und mein Vorgesetzterebensowenig,- so daß ich erst einige Jahre später durch deninzwischen in Marburg eingetroffenen Regierungsbevollmäch-tigten bei der Universität, den Konsistorialpräsidcntcn Roedeu-beck, meine definitive Anstellung von dem Unterrichtsministe-rium ausgefertigt erhielt. War doch mit dem 1. Oktober1867 der Unterrichtsminister ermächtigt worden, „über dasgesamte Schulwesen, einschließlich der Universitäten, der neu-erworbenen Landesteile in demselben Maße Verfügung zutreffen, wie in den älteren Landcsteilen". Obwohl man nunin Berlin prinzipiell der Ansicht war, daß es in den neuenProvinzen, namentlich in Kurhessen keine „berechtigten Eigen-tümlichkeiten", die man schonen zu wollen anfänglich erklärthatte, gebe, so mochte man die Organisation der Universitätnicht ohne näheres Studium ihrer alten Einrichtungen kurzer-hand umgestalten und nach preußischem Muster ummodeln.Waren doch auch die altpreußischen Hochschulen nicht ganzkonform konstituiert und hatte eine jede ihre eigenen Statuten.Deswegen beschloß auch Herr v. Mühlcr, sich über die Ver-waltung der Universität Marburg und deren Einrichtungeneingehender zu unterrichten und sandte deshalb in derPerson des bisherigen Konsistorialrats Rocdenbeck in Poseneinen Vertrauensmann nach Marburg zum Berichte an ihn.
Da dieser Herr, der am 29. 'April 1891 im Alter von69 Jahren gestorben ist, späterhin an die Spitze der Uni-versitätsverwaltung gestellt wurde und dann auch von 1876an bis 1883 als Kurator mein Vorgesetzter war, möchte ichihm hier einige Worte widmen.
Roedenbeck war der Sohn eines Berliner Kaufmannsund Fabrikanten, der sich als Sammler einer bedeutendenBibliothek znr preußischen Geschichte, als Herausgeber vonAktenstücken zu ihr und als uationalökouomischer Schriftsteller