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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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häufig in der Dämmerung besuchte. Als ich im Mai 186Ndann nach Messiua fuhr, kam er kurz vor meiner Abreise zumir und überreichte mir ein Heftchcn, das ich noch besitze, inden: er mir eine große Anzahl Bibelstellen abgeschrieben hatte,über die ich, seiner Meinung nach, in Messina predigen solle.Ich blieb natürlich mit ihm in lebhaftem Briefwechsel. Eswar für mich eine große Freude und ein wahrer Genuß, seineausführlichen, humorvollen, nach jeder Richtung hin ausgiebigenBriefe zu erhalten. Hat er mich doch z. B. zuerst auf denDarwinismus aufmerksam gemacht. Als ich darauf 1863 angen-krank in Marburg mehrere Monate bei meinem Bruder lebte,nahm sich die ganze Familie meiner freundlich an, machtemir eine Dunkelkammer znrecht und sorgte für meine Unter-haltung. Aus Italien zurückgekehrt, wohnte ich dann 1865bei ihr eine Woche. Die Freude darüber, daß ich 1867 nachMarburg dauernd zurückkommen konnte, war daher eine große.Ich habe im Sommer dieses Jahres fast jeden Abend einStündchen im Hause Cochenhauseu zugebracht und wurde einFreund seiner Verwandten und Familie. Er und seine Fraunahmen sich dann bei Gründung meines Hausstandes unsererso freundlich au, daß sie in der Stadt Hartwigs Schwieger-eltern genannt wurden. Unser Verhältnis wurde im Laufeder Jahre durch nichts gestört, blieb ein intimes, Leid undund Freude haben wir miteinander getragen. Als ich 1876nach Halle versetzt wurde, blieb anfänglich der Briefwechselbestehen. Aber bald konnte der Freund nicht mehr schreiben.Wiederholt habe ich ihn dann noch hier aufgesucht und ihm,als er am 14. August 1884 über 82 Jahre alt gestorbenwar, in derHessischen Morgenzeitung" vorn 24. Augusteinen Nachruf gewidmet.

Neben der Familie Cvcheuhausen verkehrten wir, nachdemich meine Frau, wie schon früher berichtet, Ende Oktober 1867heimgeführt hatte, noch mit einer ganzen Anzahl hiesigerFamilien freundschaftlich und behaglich, wenn auch mit keinernur annähernd, wie mit ihr. Denn meine Frau, die den