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Jahrhunderts, klanglos und ohne allen Pomp, ja ohne allesichtbare Erweisung von herzlicher Teilnahme des großen, ge-bildeten Teiles unserer Nation zu Grabe getragen worden.Doch Teilnahmlosigkeit und Undankbarkeit trägt nicht dieSchuld hiervon. Wir wollen absehen von einzelnen persön-lichen Verehrern und Freunden der Verstorbenen, welche, vonWeimar und Halle aus, der edlen Frau und Dichterin gernden letzten Liebesdienst erwiesen Hütten, die aber durch un-glückliche Zufälligkeiten, wie sie das Leben oft mit sich bringt,am rechtzeitigen Erscheinen bei dem Begräbnisse verhindertwaren: ein großartigeres Leichenbegängnis, als stattgefundenhat, wäre ganz und gar nicht nach dem Sinne der Ver-storbenen gewesen. Einsam und still, wie sie in Weißenfels gelebt hatte, wollte sie auch hier in aller Stille und Einfach-heit gebettet sein. Das hatte sie den wenigen ihr persönlichNahestehenden wiederholt eingeschärft, auch in diesem ihremBegehr ein echtes Kind ihres Vaters. Denn als dieser seinEnde herannahen fühlte, befahl er, ihn in seinem schlichtenSoldatenmantel der Erde zu übergeben, das Geld für denSarg aber den Armen zu schenken. Und so ist auch der
Major Friedrich von Fraiwois auf seinem Erbgute Niemegkbei Bitterfeld seinerzeit beerdigt worden. Doch dieser NameNiemegk ruft schon die ganze äußerlich so traurige Lebens-geschichte unserer Dichterin vor die Seele! Denn der Verlustdieses Gutes nach dem frühen Tode des Vaters (1818) hatsie, sozusagen, heimatlos gemacht und ihre später allerdingsgewallte Vereinsamung herbeigeführt. Aber er hat sie auchin sich zurückgetrieben und in ihrer eigenen Brust Schätze zusuchen und zu finden gelehrt, die ihr die Welt, auch wennsie weniger treulos an ihr gehandelt, nicht hätte bieten können,Schätze, die ihr die Liebe, Verehrung und Bewunderung nichtweniger der Besten ihrer Zeit eingetragen haben.
Lonise Marie von Fran?ois ist die Tochter des preußi-schen Majors Ernst Christinn Otto Friedrich von Frankens,der in der sächsischen Armee gedient hatte, dann aber 1815
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