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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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hältnisse noch komplizierter. Denn unsere politischen Freundewissen sich eins mit der Regierung in einem Teile ihrer Po-litik, während sie zu ihrer sonstigen Richtung im ausge-sprochensten Gegensatze, stehen. Aber Pflegen nicht gerade solcheverschrobene und in der Tat ganz unnatürliche Zustände erstrecht jenen trägeren und gleichgültigen Massen zum Vor-wande zu dienen, um sich von jeder politischen Tätigkeit, andie unser Volk sich überhaupt erst kaum zu gewöhnen beginnt,ganz zu dispensieren? Und sehen wir nicht, wie schon beieinem Teile unserer politischen Freunde in dem Abgeordncten-hause und dem Reichstage jene Mißstimmung sich immer be-merklicher macht, die kaum darauf hoffen läßt, daß ein leid-liches Verhältnis zwischen ihnen und der Regierung auch fer-nerhin znm Nutzen des Vaterlandes und des Ausbauesunserer überall unfertigen deutschen Zustände bestehen werde?Und wenn nun gar in der Frage, in der sich unserePartei doch mit dem Leiter der auswärtigen Politik Preußens einig weiß oder doch einig wissen könnte und sollte, in dernationalen, ein Konflikt zwischen ihr und der Regierung sounüberlegt provoziert wird, wie dieses durch die bekannteLasker'sche Interpellation in betreff Badens doch geschehenist, was soll erst dann bei der Behandlung der Fragen fürein Verhältnis zwischen der nationalen Partei und der Re-gierung Platz greifen, bei denen jene zu Gunsten der großengemeinsamen nationalen Interessen der Regierungspolitik imInnern Opposition machen muß? Allzu erklärlich ist freilichdieser Mißmuth, der sich der altpreußischen Parteigenossen be-mächtigt. Denn einmal wirken doch die alten Feindschaftenaus der Konfliktsperiode noch stärker fort, als sich viele ein-gestchen mögen: die politischen Gegensätze haben sich in per-sönliche Antipathien verwandelt. Dann sind die Reibungenzwischen der feudalen Regierungspartei der alten Provinzenund unseren national gesinnten Freunden dort viel unan-genehmer und zahlreicher als in den neuen, in welchen keineRegierungspartei existiert und auch die Regierung selbst in