Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

330

sich Koch deshalb beizeiten den Boden vorsorglich zu ebnen.Schon im Mai 1846 erließ er also an den leitenden Aus-schuß des landwirtschaftlichen Vereins von Kurhessen eineAufforderung, dafür zu sorgen, daß in den verschiedenen Ge-meinden des Landes zuverlässige Beobachtungen über die anden Roggenstauden sich zeigende Krankheit angestellt würden.Sollte sich daraus ergeben, daß eine genügende Ernte fürdieses Jahr nicht zu erwarten sei, so möge ihm dieses schleu-nigst berichtet, zugleich aber sollten auch Vorschläge zur Be-wältigung der alsdann voraussichtlich zu erwartenden Hungers-not mitgeteilt werden. Die Krankheit des Roggens erwies sichglücklicherweise als nicht so gefährlich, wie man im Nachwinterbefürchtet hatte; doch war die Ernte keineswegs eine gute,und im August des Jahres konnte man schon deutlich ersehen,daß die Kartoffelernte wieder ganz ungenügend ausfallenwerde. Deshalb wurde in diesem Monat den Kreisämternvon dem Ministerium des Innern aufgegeben, über die Ernte-ergebnisse baldtnnlichst zu berichten und, falls eine Teuerungzu erwarten sei, die Maßregeln zu bezeichnen, durch welcheihr begegnet werden könnte. Gleichzeitig forderte das Finanz-ministerium die Rentmeister auf, gleiche Ermittelungen an-zustellen. Durch dieselbe Behörde wurde dahin gewirkt,daß die zollfreie Einfuhr des Getreides, sowie auch des ameri-kanischen Mehles bis auf weiteres beibehalten, oder aber von:1. September an angeordnet werde.

Gegen diese Maßregeln wird gewiß nichts einzuwendensein. Aber es folgten ihnen jetzt unmittelbar bedenklichere.Man suchte den sog. wucherischen Fruchtanfkauf zu verhindern,so weit als dieses nur gesetzlich anging. Durch die Regierungenwurde schon Ende August ein Verbot des An- und Verkaufesvon Kartoffeln zum Zwecke des Branntwcinbrennens erlassen,wie das auch schon 1843 geschehen war. Ja man überlegteschon, ob nicht ein Ausfuhrverbot für alle wichtigerer: Lebens-rnittel gegen die Zollvereinsstaaten zu erlassen, und jeder Ver-brauch von Kartoffeln zum Branntweinbrennen zu verbieten