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Als im Sommer 1875 die officiöse „Provinzial- Correspondenz“der Berliner Börse ihre Sünden vorritt, traten für die Ange-klagte sofort die „liberalen“ Zeitungen in die Schranken; dazeigte es sich schlagend, dass fasst die gesammte Presse vonder Börsen- und Handelswelt abhängig ist. Auch die biedere„Volkszeitung“ fehlte unter den Advocaten der Börse nicht.Zwar declamirt das „Organ für Jedermann“ zuweilen gegendas Gründerthum, d. li. es macht allgemeine Redensarten; zwarwarf es bei Gründung der Bamberger’sclien „Reichsbank“ der„Nationalzeitung“ „schamlose Berechnungen“ vor, bezeich-nete es dieses Blatt als „ganz und gar versunken imDienste der Jobberei und Geldmaclierei“ — aber manbraucht solche Scharmützel nicht so tragisch zu nehmen.„Nationalzeitung“ wie „Volkszeitung“ werden in der Haupt-sache von Juden geschrieben; und Juden thun einander nichtUeberlast, wissen sich immer wieder zu vereinigen. Herr FranzDuncker , der Verleger des „Organs für Jedermann“, ist zwarnicht selber Gründer, hat aber unter den Gründern einen sehrnahen Verwandten; und daher ist Vorsicht, sind Rücksichtengeboten!
Die „Nationalzeitung“, die seit dem Tode des ehrenwerthenFriedrich Zabel, hauptsächlich von dem Dioskurenpaar Laskerund Bamberger geleitet wird, steht jetzt ganz und gar zuDiensten der Börse. Herr Bamberger, der parlamentarische„Jongleur“ — so nannte ihn die „Vossisclie Zeitung“ — treibthier ungenirt seine manchesterlichen Künste; wie er’s dennneulich fertig brachte, sein eigenstes Werk, die „Reichsbank“,der Abwechselung halber, etwas anzugreifen. Herr Bamberger,der Gründer der „Deutschen Bank“, der Erfinder der „Reichs-bank“, dem selbst die „Volkszeitung“ „schamlose Berech-nungen“ vorwarf, und den verschiedene Blätter beschuldigen,er habe, als Mitbesitzer oder Hauptactionär eines* Nickelberg-werks, im Reichstag so eifrig für Einführung der Nickelmünzenplaidirt, die sich jetzt als sehr unpraktiseh erweisen — HerrLudwig Bamberger war so unvorsichtig, auf der Tribüne desParlaments von Mitgliedern der „Revolverpresse“ zu spre-chen, die in der Jahresversammlung des Vereins für Social-politik zu Eisenach erschienen wären und daselbst scliutzzöll-zrerische Anträge gestellt hätten. Als nun der betreffende Au-