281 —
bis sie in vielen Localen zu einem halben Seidel zu-sammenschrumpften, das man dem Gaste präsentirt,zu zwei Drittel Bier und zu einem Drittel Spritz-schaum.
Die Tonne Bier kostet dem Wirth 7 Thaler, undbringt ihm, in ordentlichen Seideln verschänkt, 14 bis16 Thaler. Bei solchen Miniatur-Gläsern aber schlägter 18 bis 20 Thaler heraus. Und auch damit begnüg-ten sich die Herren noch nicht; viele von ihnen erhöhtendie Preise jetzt um 33 bis 66 Procent. Während manfrüher für ein ausgewachsenes Seidel guten Bieres1 '/ 2 Groschen zahlte, musste man jetzt für ein Zwerg-Seidelchen „Dividendenjauche“, das der Brauerei höch-stens 3 Pfennige, dem Wirth vielleicht 6 Pfennigekostete — 2 und auch 2 */ 2 Groschen blechen.
Dazu kommt noch das Trinkgeld an den Kellner.Die Kellner erhalten vom Wirth gar keinen oder docheinen erbärmlichen Lohn, und sind daher auf denWohlthätigkeitssinn der Gäste angewiesen. Vor demSchwindel waren die Trinkgelder facultativ, wie dieallgemeine Wehrpflicht; jetzt wurden sie obligatorisch,wie die Civilehe. Ehemals dankten die Kellner schonfür einen halben Groschen; nun thaten sie es auch füreinen ganzen noch nicht. — Nebenbei bemerkt, über-