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I. DIE FÜNF ALTEN KOLONIALBANKEN.
besteht darin, daß die Kunden der Bank ihre laufenden Ein-nahmen, soweit sie diese nicht unmittelbar benötigen, bei derBank einlegen und zwar zur freien geschäftlichen Benutzungderselben, und sich die Zurückziehung nach vereinbarten Fristenvorbehalten. Die Kolonialbanken besorgen dafür alle Ein- undAuszahlungen auf die bei ihr eingereichten Wertpapiere, Schecksoder Anweisungen, also das ganze Inkassogeschäft des regulärenBankverkehrs; sie ersparen so dem Einleger die Mühen undKosten der eigenen Kassenverwaltung, und sie selbst haben denVorteil dabei, die Gelder ihrer Kunden zu eigenen geschäftlichenUnternehmungen heranziehen zu können. Das Kontokorrent istoft die Form für die Eröffnung eines Kredits an Private, Ge-meinden oder an den Staat. Das Kontokorrent mit dem Natio-nalen Diskontkontor in Paris vermittelt den Kolonialbanken deneinheimischen Kredit. Der volkswirtschaftliche Nutzen des Konto-korrentverkehrs liegt in der Steigerung der Elastizität des barenGeldes. Die in den Kolonien vorhandenen Kapitalien werdendurch die Bank aufgesogen, fortdauernd in den Yerkehr gebrachtund im Umlauf erhalten. Da hierdurch die einzelne Münze zubesserer Verwertung gelangt, so genügt schließlich ein geringererGeldvorrat zur Geldversorgung der Kolonie, als er sonst, d. h.beim Fehlen des Kontokorrentverkehrs benötigt würde. Nochwichtiger ist aber, daß durch die Tätigkeit der Bank die Ein-lage eines Bankkunden mehrfache wirtschaftliche Aufgaben zugleicher Zeit übernimmt. 1 ) Z. B. ein Importeur zahlt bei einerKolonialbank 1000 fr. in bar ein und bestellt dafür bei der BankAnweisungen (Rimessen) auf das Ausland. Der um 1000 fr.erhöhte Metallbestand gestattet nunmehr der Bank, ihren Noten-umlauf um 3 X 1000 fr. = 3000 fr. zu vermehren. Mit diesen3000 fr. Noten kann sie einem Pflanzer ein Darlehen gewähren,der Pflanzer seine Arbeiter entlohnen und diese wiederum Ein-käufe machen. Alles dies vollzieht sich innerhalb derselben Zeit,für welche die obige Geldsumme übergeben ist. Dieselbe Summehat damit mehrfache wirtschaftliche Funktionen (als Garantie-
') J. Conrad , Grundriß zum Studium der politischen Ökonomie.I. Nationalökonomie, Jena 1902, S. 149.