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Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
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I. DIE FÜNF ALTEN KOLONIALBANKEN.

gelöst. Auch die Wechselgeschäfte erlangten bald Bedeutung.Die Banken von Martinique und Guadeloupe gaben 1853 und

1854 für 5 bezw. 6 Millionen fr. Anweisungen auf die Bankvon Frankreich aus, die Bank von Reunion nur für 1,4 Mil-lionen fr.; aber sie sandte diese Anweisungen als Rimessenacli Indien zwecks Bezahlung der Einfuhr von indischenArbeitern und indischem Reis. *) Dadurch wurde fortan die Aus-fuhr von Metallgeld, mit dem Reunion bislang aus Mangelan geeigneten Exportartikeln nach Indien seine indische Einfuhrbezahlt hatte, überflüssig gemacht und der Geldumlauf der Ko-lonie sicher gestellt.

Die Erntedarlehen, von denen der Gesetzgeber 1851 imÜberschwang gesagt hatte: c'est toute la banque coloniale, ent-wickelten sich nur langsam, am günstigsten noch in Guadeloupe ,wo die Landwirtschaft durch die Sklavenbefreiung schwererheimgesucht war als in den anderen beiden Zuckerkolonien. 2 )

Die Kontokorrents erreichten 1858/59 in Martinique 32Millionen francs und in Guadeloupe 44 Millionen francs. InRöunion blieb der Kontokorrentverkehr vorerst minimal. DieKontokorrenteinzahlungen betrugen dort bis 1866 jährlich nichtmehr als 200 000 fr.

Die aufsteigende Entwicklung der Kolonialbanken wurde

1855 unterbrochen durch ein plötzliches Sinken der Zuckerpreise,dem ein Rimessenmangel und eine Geldkrise in den Kolonienauf dem Fuße folgten. Die Banken mußten sich Bargeld vonFrankreich senden lassen und sahen dadurch ihre Schuld au dieBank von Frankreich beträchtlich erhöht. Während nun dieBank von Reunion klugerweise den Diskont erhöhte und ihreKredite einschränkte, vermehrte die Bank von Martinique ihregesamten Vorschüsse von 19 Millionen fr. (1856/57) auf 27 Mil-lionen fr. (1857/58). Viele Wechsel und Schuldscheine bliebendarauf hin am Verfalltage unbezahlt; erst auf das Einschreitender Überwachuugskommission hin nahm die Bank die not-wendige Erhöhung ihres Diskonts von 6 auf 8, ja 10°/o vor.Der Wechselkurs stieg in Martinique auf 15 bis 18°/o, in Guade-

') Bericht der Ü. Ko. 1853/55.*) Denizet a. a. 0. S. 167.