Druckschrift 
Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen
 

3. DIE TÄTIGKEIT DER KOLONIALBANKEN.

79

§ 13.

DIE DISKONTGESCHÄFTE.

Die Diskontgeschäfte haben wir schon oben als Geschäftedes Personalkredits gekennzeichnet. Das Risiko der Bank warhierbei groß, und Fehler waren schwer zu vermeiden. Allzugroße Nachgiebigkeit gegenüber lokalen Einflüssen und zu geringePrüfung der Zahlungsfähigkeit der Unterschriften sowie der Ten-denzen, die auf Erneuerung und auf Konzentration der dis-kontierten Wechsel auf wenige Schuldner gerichtet waren, aufder einen Seite ein zu hoher Diskontsatz im Verhältnis zumLeihzins für Pfanddarlehen und zur verteilten Dividende auf deranderen Seite waren für den Bankdirektor Scylla und Cha-rybdis, durch die es hindurch zu steuern galt.

Eine Zunahme der Diskontgeschäfte der Bank war oft nurdie natürliche Folge eines wirtschaftlichen Aufschwungs derKolonie; sie veranlaßte dann eiue erhöhte Notenausgabe odermachte gar eine Kapitalerhöhung notwendig. Wurde die Zu-nahme der Diskontgeschäfte hervorgerufen durch die Vornahmeöffentlicher Arbeiten (z. B. von Eisenbahnen wie in Senegal )oder durch außerordentliche Ereignisse, die das Kreditbedürfnis inungewöhnlicher Weise steigerten (wie durch den Zyklon, der 1892Martiniques Pflanzungen verwüstete), so war an sich noch keinGrund zur Besorgnis gegeben. Denn es handelte sich ja umproduktiven Kredit. Bedenklicher erwies es sich schon, wenn dieDiskontgeschäfte zunahmen infolge Herabsetzung des Diskont-satzes, zumal wenn damit wie 1857 in Martinique der Ausbrucheiner Krise zusammentraf. Geradezu verhängnisvoll war aberfür die Banken ein hoher sich jahrelang gleichbleibender Wechsel-bestand, sofern er sich zusammensetzte aus ständig erneuertenWechseln, d. h. aus Krediten, welche die Bank nach Ablauf der120 Tage Maximallaufzeit für Wechsel wieder an dieselbenWechselschuldner in der alten Höhe gewährt hatte. In Mar-tinique trat dann der Fall ein, daß gewisse Schuldner der Bankkeine anderen Hilfsquellen hatten, als die ihnen beständig er-neuerten Wechselkredite. Die Gefahr, die hieraus den Banken