Druckschrift 
Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

3. DIE TÄTIGKEIT DER KOLONI ALB ANKEN.

8]

wo ihm langjährige Gewohnheiten und Bräuche entgegenstanden.Dies gilt besonders für Martinique , wo die Diskontgeschäfte bisauf den heutigen Tag das hauptsächlichste Kreditgeschäft derBank geblieben sind und die Pfanddarlehen keine auch nur an-nähernd gleiche Verbreitung gefunden haben. In Martinique istes Brauch, daß der Ausführkonunissionär den vom Pflanzer aus-gestellten Solawechsel indossiert und so durch seine Unterschriftdie direkte Diskontierung seitens der Bank ermöglicht. 1 ) DieserBrauch hat sich trotz der Erntedarlehen erhalten; aber es bestehtkein Zweifel, daß die Möglichkeit, auf die eben erwähnte Formdes Pfanddarlehens zurückzugreifen, Zinsfuß und Bedingungendes Diskontgeschäfts wesentlich zugunsten des diskontsuchendenSchuldners verbessert hat.

Der Diskontsatz der Kolonialbanken beträgt 86°/o, selten10 %, und ist bedeutend höher als der Leihzins für Pfand-darlehen; er erhöht sich, wenn der Diskontsatz in Frankreich erhöht wird.

§ 14.

DIE ERNTEDARLEHEN.

Die Erntedarlehen fanden in Martinique und Reunion erstganz allmählich Eingang. In Guadeloupe ging die Entwicklungrascher vor sich, weil dort die Landwirtschaft unter der Sklaven-befreiung ganz besonders gelitten hatte. Die Erntedarlehen warenin Guadeloupe schon 1860 so beliebt, daß die Nachfrage dasAngebot der Bank, das durch die Beleihungsgrenze der ver-pfändeten Ernte beschränkt und bestimmt war, überstieg unddie Pflanzer gezwungen waren, sich noch ca. 89 Millionen fr.auf dem Wege der Diskontierung zu leihen. Später freilich habendie Banken von Guadeloupe und Martinique , wohl im Interesseder Zuckerpflanzungen, ja oft fast auf Drängen des Gouverneursder Kolonie Erntedarlehen in einer den Statuten widersprechen-den Höhe gegeben. Diese Erntedarlehen nahmen deshalb ganzbedeutend ab, als die Bank von Martinique auf Verlangen der

') Bericht der Ü. Ko. 1853/5.So!tau, Die französischen Kolonialbanken; 6