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I. DIE FÜNF ALTEN KOLOXIALBAS'KEX.
■den Pflanzern durch Gewährung von Darlehen den Mut gaben,wieder Kapitalien in den Grund und Boden zu stecken.
Das Kreditbedürfnis der Kolonien ist in dem ausreichend-sten Maße befriedigt worden; die Banken haben in dieser Be-ziehung eher zu viel als zu wenig getan. Schon 1863 und dannspäter zu wiederholten Malen hat die Überwachungskommissiondie Kolonialbanken vor Übertreibungen in ihrer Kreditgewährungwarnen müssen.
Die Herabsetzung und Regulierung des Diskontsatzes istein unstreitiges Verdienst der Kolonialbanken, wie umgekehrtauch eine Ursache ihrer Erfolge. Klar ist auch, daß der hoheLeihzins von 18°/o, der vor 1851 in den Kolonien gang undgäbe war und seit dem Erscheinen der Kolonialbanken auf etwa6°/ 0 im Durchschnitt gesunken ist, mit dem Verschwinden derBanken wiederkehren würde, besonders da, wo, wie in Guade-loupe, die Kolonialbank das einzige Kreditinstitut der Kolonie ist.
Die Ausschaltung aller Zwischenhände im Wechsel-, Lom-bard- und Diskontgeschäft,, sowie allerjüngst in Guyane beimAnkauf von Rohgold 1 ) ist den Kolonialbanken zu verdanken.Die Banken vertraten bei den Wechselgescbäften — mochtensie durch Waren- oder Erntedarlehensgeschäfte hervorgerufensein — das Interesse des kolonialen Produzenten oder Kauf-manns gegenüber den französischen oder fremdländischen Kauf-leuten. 2 ) Daß die Kolonien selbst die Kolonialbanken nichtentbehren zu können glauben, zeigt der mehrfach 3 ) erwähnteBeschluß des Generalrats von Reunion, der dortigen Bank miteinem Darlehen von 1,5 Millionen fr. aus der Kot zu helfen,das infolge der Rückzahlungs- und Zinsbedingungen fast einerSubvention gleichkam. Dieser Beschluß erklärt sich nicht nuraus der Bedeutung der Banknoten für den Geldverkehr derKolonie; er wird erst recht verständlich, wenn man erwägt, daßdie Kolonie ihre Haupteinnahmen aus den Ausfuhrzöllen aufZucker, Gold und Arachiden bezogen, und daß eine Einstellung
') S. S. 77.
2 ) S. S. 84.
3 ) S. S. 30 und S. 72.