Druckschrift 
Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

einst die Kleiderordnungen sich erwiesen haben.*) Bekannt-lich aber lassen sich die Menschen am allerwenigsten durchBefehle oder wie einmal der ßankpräsident des DeutschenReiches vorschlug durch liebenswürdiges Zureden bestimmen,ein Geldstück, das sie nicht mögen, anzunehmen. Und daswäre doch heute um so schwieriger, wo es sich nebenbei nochdarum handelte, den Silberstücken zu einem ihren Marktwerthum ein Viertel des Ganzen übersteigenden Nominalwerth denUmlauf zu erzwingen. Gelingt es doch heute nicht einmal,sie als in Gold einlösbare Münze über die engsten Grenzendes Kleinverkehrs hinaus zu treiben, heute, wo nicht Mifs-trauen, sondern nur die Bequemlichkeit sich ihrer erwehrt!Was hat man nicht alles an List und Gewalt von Seiten derRegierungen und der Landesbanken probirt, um schweres Silber-geld, Fünffranken, Dollars, Thaler in die Kanäle des franzö-sischen, amerikanischen, deutschen Verkehrs zu leiten, undwie alles vergeblich! Und nun denke man, dafs zu diesemblofs mechanischen Widerwillen das Mifstrauen in den Werthhinzukäme. Es ist recht schade vom theoretischen Gesichts-punkt aus, dafs der praktische Versuch mit dem universellengesetzlichen 157 2 auf Grund eines Münzvertrags nicht gemachtwerden kann. Die Nationalökonomen, welche an die Allmachtdes Gesetzes glauben, würden die Probe auf ihr Exempelmachen können. Aber freilich der Versuch würde, sofort undsicher mifslingend, solche Verwirrung herbeiführen, dafs erdoch besser unterbleibt. Es ist deshalb ein Glück, dafs diestarke Entwerthung des Silbers ihn von vornherein unmöglichmacht. Auch haben die Einsichtsvolleren unter den Bimetal-listen auf den Gedanken verzichtet, durch Gesetzesvorschriftden Werth des Silbers in den Augen der Menschen um 20 %

*) Diesen, den allein wichtigen und ausschlaggebenden Grund ignorirenbeinahe sämmtliche Bimetallisten in ihrer J'olemik, so noch jüngst HenryH. Gibbs in seiner Zuschrift an den englischen Economist vom 19. September,in welchem er das Verhältnifs von 1572 preisgiebt und sich auf I8V2 ein-lassen will, als wenn es nur darauf ankäme, das richtige Verhältnifs zufinden.