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Lateinischen Bund zu Ende geht und zu Ende gehen sollund mufs. Schon lange vor Eröffnung der Conferenzen be-ginnt ein Artikel mit den Worten: „Grofs ist das Zerwürfnifs,das im Schoofse der lateinischen Union herrscht"; und daserste Bändchen der gesammelten Artikel endet mit dem Schlufs-wort: „der Politik Frankreichs ist ihr "Weg fest vorgezeichnet,den Münzvertrag kündigen; Auflösung und Liquidation deslateinischen Bundes". Ob dies nun bezwecken sollte, durchEinschüchterung die andren zur Annahme der Liquidations-clausel zu treiben, oder ob es Ernst war, beides wäre gleichmöglich und gleich beberechtigt vom Standpunkt des Ver-fassers aus. Für uns als Zuschauer hat es nur die Bedeu-tung, dafs wir daraus lernen mögen, was Alles bei Münz-bündnissen vorkommen kann, und wohin es mit dem viel-gerühmten Bund nach zwanzig Jahren gekommen ist.
Ein zweites nicht minder wichtiges Faktum ist das un-zählige Mal ausgesprochene Bekenntnil's, dafs es heut zu Tagenur noch ein wahres Geldmetall giebt. „In Europa wie inAmerika besteht der gesetzliche Curs mit dem Recht derunbeschränkten Prägefreiheit nur noch zu Gunsten eines ein-zigen Metalls, des Goldes. Kraft dieser Uebereinstimmung,wonach das Gold von nun an der einzige gemeinsame Werth-messer ist, mit anderen Worten das einzige internationaleMünzmaterial der Welt des Westens, verlangt auch der ge-sunde Menschenverstand, dafs, wenn man absolut daran fest-halten will, die lateinische Union fortzusetzen, man sie nurfür den Goldfranken fortsetzen darf." — „Quod erat demon-strandum" können die Anhänger des deutschen Münzgesetzeshinzufügen, nur mit der Bemerkung, dafs ein Münzbund dannaber auch überflüssig ist.