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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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mehr die gleiche Quantität Waaren wie ehemals für dasgleiche Gewicht Silber in Barren erlangen könnte: inwieweitkönnte eine solche Thatsache dem Staat, der die Silbermünzenausgegeben hat, eine Verbindlichkeit auferlegen? Die Ge-schichte des Münzwesens ist nur eine lange Reihe von Werth-verminderuugen des Goldes und des Silbers. Wann hat manjemals ein solches Ausgleichungsverlangen vorbringen gehört?Wenn dies System berechtigt wäre, so hätte England vor30 Jahren, als die Werthvermindernng des Goldes eintrat,allen Inhabern von Sovereign's eine Schadloshaltung ge-schuldet. Aber, sagt man, euer Gepräge ist eure Unterschrift,für die müfst ihr aufkommen, und man nennt die Thaler des-halbmetallische Anweisungen" (assignats metalliques). Aberhat man je erlebt, dafs die Presse einer Bank Jedem zugängiggemacht worden wäre, der bei ihr hätte Noten drucken lassenwollen? Ich gebe zu, da('s das Gepräge die Unterschrift desStaates vorstellt, aber welche Verpflichtung führt diese Unter-schrift mit sich? Die der Richtigkeit des Gehalts und desGewichts und, wenn man noch weiter gehen will, die. dieFünffrankenstücke zu ihrem Nominalwerth in den öffentlichenKassen anzunehmen und ihnen liberirende Kraft zwischenPrivatleuten zu geben. Aber wie sollte diese Unterschrift ver-pflichten, solche Stücke gegen Goldstücke umzutauschen? Wienamentlich sollte sie eine Verpflichtung schaffen, sechs Frankenfür fünf Franken zu geben, worauf doch eigentlich der ganzeAnspruch hinausläuft. Denn die Operation, die zu einemsolchen Ergebnifs fuhren würde, wäre eine sehr einfache.Nehmen wir an, die Schweiz schickte nach Brüssel für eineMillion in Fünffrankenstücken. Mit diesem Geld kauft sieWechsel auf London und mit diesen Wechseln kauft sie inLondon Silber, welches sie in die Pariser Münze schickt. Dasvon ihr erlangte Silber, welches sie zum Marktpreis gekaufthat, würde ausreichen, um ihr 1 200 000 Franken geprägtes

Silber zu verschaffen".....

Der Redner schildert hierauf den Verlauf der Verhand-lungen auf der letzten Conferenz. Natürlich bestehen bis jetzt