Unterin 1. September 1856 wurde zwischen Münz als Verleger undNr. Huttler als Redakteur ein ihr gegenseitiges Verhältnis regelnder„Contract " abgeschlossen, wonach Dr. Huttler die Postzeitung „der poli-tischen Richtung nach im monarchisch-konstitutionellen, der religiösenTendenz gemäß in katholischem Sinne" zu redigieren sich verpflichtete.Als Gehalt wurden ihm pro Jahr 1200 Gulden zugesichert und außer-dem für den Fall, daß die Abonnenten der Postzeitung mehr als 1500und des Eonntagsblattes mehr als 600 betragen sollten, für jeden wei-teren Postzeitungsabonnenten ein Zuschuß von 1 Gulden und für jedenweiteren Abonnenten des Sonntagsblattes ein solcher von 15 Kreuzer.Für einen Assistenten, „dessen Annahme ganz der Convenienz des Ver-legers überlassen bleiben" sollte, wurden vorderhand 300 Gulden aus-geworfen, zur Beschaffung der für die Redaktion erforderlichen Mate-rialien, Zeitschriften und Journale 750 und für auswärtige Korrespon-denzen, ohne die eine Zeitung wie die „Augsburger Postzeitung „wedermit Vortheil noch mit Ehre bestehen kann", 1200 Gulden. Der Abonne-mentspreis der Postzeitung betrug damals halb jährlich 4 fl. 40 kr.Sie war damals also teurer als jetzt, wo sie im 3—4sachen Umfang vondamals täglich zweimal zur Ausgabe gelangt.
Schon bald nach Uebernahme der Redaktion der Postzeitungerwachte in Dr. Huttler der Plan, das Blatt selbständig zu übernehmen.
Er verständigte hievon den neuen Augsburger Bischof Michael vonDeinlein und dieser erteilte, „da Herr Dr. Huttler in Nr. 110der „Augsburger Postzeitung" vom 23. April 1857 (im Anschluß andie Wiedergabe einer Erklärungdes „Volksboten" - RedakteursZander) das öffentliche Verspre-chen ablegte, fortan beflissensein zu wollen, nicht bloß dieVertheidigung der katholischenKirche und der constitutionell-monarchischen Prinzipien uner-schrocken zu verfolgen, sonderndieß auch vorzugsweise im Geisteder christlichen Liebe und mitchristlicher Schonung zu thun";und, „da Herr Dr. Huttler diegeistige Befähigung zur Ver-wirklichung dieser Prinzipienin einem hohen Grade besitzt",dem Projekte seine Gutheißung,sicherte ihm seine Unterstützungzu, wünschte lebhaft seineAusführung und empfahl es„allen wahren Freunden desStaates und der katholischenKirche zur geneigtesten Prü-fung, Würdigung und Unter-stützung".
Der Ankauf der Postzeitung durch Dr Huttler erfolgte am17. Dezember 1857 und „nach vollständig bezahlter Kaufssumme" gingsie mit dem 30. September 1858 rechtlich in sein Eigentum über. IhreUebernahme erfolgte am 1. Oktober und gleichzeitig verließ sie dieKremersche Druckerei, um zum zweiten Male in ihr altes Heim, ihreGeburtsstätte und Wiege, in das am Rain gelegene Haus 6 207 zurück-zukehren. Das erste Mal war sie dahin noch von dem jüngeren Mopzurückverlegt worden und zwar zwischen 1828, wo er dieses Hauserwarb, und 1834, wo er das „Schneidhaus" verkaufte, und sie wardort, da Kremer 1840 Zeitung samt Druckerei erworben hatte, biszur Verlegung der Kremerschen Druckerei in das Haus 0 7 an derUnteren Maximilianstraße, 1847 oder 1848, verblieben.
Der Mitteilung von der Rückkehr in ihr altes Heim, wo damalsein Buchdrucker Namens I. M. Kleinle seine Offizin hatte, fügte dieRedaktion die Worte bei: „Uadont 8ua lata libslli! Es mußte alsoauch die alte Postzeitung in ihren alten Boden zurück — hoffen wirfür sie ein neues, frisches Ausblühen und Gedeihen".
Sein Programm hatte Dr. Huttler schon am 20. Dezember 1857 ^im Anschluß an die Meldung von dem Ankaufe des Blattes in folgen- )den Worten bekannt gegeben: „Treu der Kirche und treu dem HKönig — aber keine Schmeichler wollen wir sein und bleiben; alle "'Pflichten gegen die Obrigkeit wollen wir erfüllen, aber ebenso fest >an unseren Rechten — am männlichen, offenen Wort wollen wir fest- ' >halten; unser Vaterland wollen wir lieben, aber gerade darum nicht 'blind sein und blind machen vor den es bedrohenden Gefahren; ^Wahrheit und Gerechtigkeit gelte uns allenthalben als /Devise — selbst im Kampfe gegen Lüge und Bosheit". (
Daß diese freimütigen Worte, denen Huttler nach der Ueber-nahme des Blattes auch das „Halten und Handeln" folgen ließ, nichtnur bei den Gegnern, sondern auch bei manchen im eigenen Lager keinVerständnis fanden, ist unter den damaligen Verhältnissen begreiflich.Aber Dr. Huttler ließ sich dadurch nicht beirren, sondern fuhr ziel-bewußt und tatkräftig fort, sein Programm in die Tat umzusetzen.Auch führte er in der inneren Gestaltung des Blattes sowohl wie inder äußeren Aufmachung Verbesserungen ein. Die Leitartikel, diebisher meist in der Beilage Unterschlupf gefunden hatten, ließ er amgebotenen Platze, im Hauptblatte, erscheinen, während er der Beilage,die seit Anfang der 40er Jahre eine ständige Einrichtung gewordenwar, einen mehr wissenschaftlichen Charakter gab. Es wurden Litera-turberichte eingeführt, kirchliche Kunst gepflegt und das apologetischeGebiet mit Wachsamkeit und Eifer beackert. Auch verstand esDr. Huttler für alle Gebiete tüchtige Mitarbeiter zu gewinnen.
Doch trotz dieser vorteilhaften Neuerungen war der Lebenswegder Postzeitung auch fernerhin ein schwieriger und dornenvoller. InOe st erreich stieß ihre Verbreitung aus Schwierigkeiten, schon ausdem rein äußerlichen Grunde, daß außerösterreichische Blätter nicht inder gangbaren Valuta von Wiener Währung bezahlt werden durften,sondern „die Herbeischaffung des nicht im alltäglichen Verkehre befind-lichen Silbergeldes" bedurften. Im Musterlande Baden, das sichvon jeher durch eine besonders sorgsame Bevormundung seiner katho-lischen Bewohner hervorgetan hat, blieb sie noch bis 1859 verboten.
Und in ihrem eigenen Heimat-lande wurde ihr durch einelächerlich peinliche und kleinlicheUeberwachung das Leben nahe-zu verekelt. Im Jahre 1857allein ist sie nicht weniger als22 mal wegen angeblicher Ver-letzung des Preßgesetzes konfis-ziert worden. Auch durch diesePlackereien ließ sich Dr. Huttlernicht einschüchtern, und als die„Neue Münchener Zeitung", derdie — im guten Sinne des Wor-tes — freiheitliche Entwicklungder Postzeitung ebenso ein Dornim Auge war wie die bajuwa-risch-derbe Sprache des „Volks-boten", sich zu der Insinuationverstieg, „daß die Postzeitungnach dem Martyrium der Be-schlagnahme geize", da antwor-tete er auf den betreffenden Ar-tikel schlagend: „Möchte dessenVerfasser nur einmal die Süßig-keit einer solchen (Beschlag-nahme) verkosten, den Zeit- und Kostenaufwand, den sie involviert,den Verdruß und die Sorge, die sie mit sich bringt, die Ungeduld derAbonnenten, die sie verursacht, den Schmerz der Verkennung, dereinem Redakteur, der kein bloßer Mietling ist, daraus erwächst, — erwürde sich wahrscheinlich für selbes gleich von vornherein bedankenund am allerwenigsten nach seiner Wiederholung lüstern sein".
In der Tat gehörte eine große Ueberzeugungstreue, ein hoher Mutund eine unbesiegbare Opferfreudigkeit dazu, um alle die Leiden zuertragen, denen damals die katholische Presse ausgesetzt war. Das gal>sogar die liberale „Augsburger Allgemeine Zeitung" zu, wenigstens in-direkt durch Wiedergabe eines Artikels der „Neuen Preußischen Zei-tung ", welcher die qualvolle Lage katholischer Redakteure schilderte.
Dr. Huttler war glücklicherweise im Besitze dieser Eigenschaften,und als ihm — es war im März 1857 — von mehreren Seiten hinter-bracht wurde, daß die Postzeitung als r e g i e r u n g s s e i n d l i ch e sOrgan bezeichnet und den Staatsstellen verboten sei, ihr Inseratezuzuwenden, schrieb er treffend:
„Wir sind davon sehr schmerzlich berührt; denn abgesehen von unseremreinen Willen, wahrhaft regierungsfreundlich zu sein, glauben wir auch,,bloß die Ansichten der großen Majorität des katholischen Bayernvolkes zurAussprache, Kenntnis und Rücksichtnahme gebracht zu haben. Journale, welchenicht von feilen Federn geleitet, sondern rein und klar die Stimmung einerpolitisch wichtigen Partei aussprechen, sind unseres Dafürhaltens sehr beachtens-werte Wettergläser. Was nützt es, den Barometer zu schlagen, wenn derselbetiefen Stand verkündet? Wir stehen mit noch einem Vergleich zu Diensten, derunserer materiellen Zeit besonders zusagen dürfte: Zeitungen sind das, wasSicherheits-Ventile bei Dampfmaschinen sind. Hört deswegen der Dampf zuwirken auf, wenn das Sicherheitsventil verschlossen wird? Was aber in Speziedie Inserate betrifft, so wollen wir uns vor der Hand weder Schlaf noch Appetitrauben lassen, überzeugt, daß die Männer unserer Partei wegen Mangels an
Num- rz/. Samstcig, den iv. Jumr. Anno 1578.
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Kopfleiste der Kugsburger stostreitung vom Irchre 1798