Nro. 7. Dienstag, den 3. Jan. Anno 1822.
MgslnirgischeOrdlnariPostvcttllng
Von Staats/ gelehrten, historisch- u. ökc Ä'.-üschcn Neuigkeiten.
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Redakteur: E. Frhr. v. Seida. Gedruckt u. verlegt von Joseph Anton Moy,wohnhaft auf dem obern Graben in dem sogenannten Schneidhaus.
München , den 6. Jan.Eine königl. Verordnung vom 22. Dez. im Jntelligenzblatte für das König-reich Baiern betrifft die Forstbezirkscinthcilung und äußere Forsidicnst-Einrichtungin den Sraatswaldungen. — Eben dieses Intelligenzblatt meldet die Verleihung derNeichsrathswürde an den Herrn Bischof zu Augsburg , Joseph Maria Freyherrnvon Fiaunberg, nachdem der Bischof zu Negensburg, Herr von Wolf, diese Wür-de wegen seines Gesundheitszustandes und vorgerückten Alters rcsignirt hat. —Ferner zeigt dasselbe an^ daß Se. Majestät der König den Finanzrath und Ban-kier zu Augsburg , Johann Lorenj Schäzler, nebst seiner Descendenz beyderleyGeschlechts, auf erfolgte legale Nachwcisung seiner direkten Abstammung aus demuralt ritterbürtigenGeschlcchte der Freyherren Schäzl zuHermannsperg, Wazmanns»dvrf und Türnau, und in Anerkennung seiner mehrjährigen, mit uncrmüdeterThätigkeit und Patriotismus, besonders um seine Mitbürger sich erworbenen viel'fettigen Verdienste, in den Freyherrnstand seiner Vorfahren zu reassumiren ge-ruht haben. Wien , den 1. Jan.
Die Nachrichten des Specrsteur viiemsi aus Smyrna (bekanntlich erscheint»ieses Blatt in Smyrna unter den Augen der dortigen türkischen Behörden) v»mEnde Nov. lauten höchst traurig, „«seit 6 Monaten, sagt er, stehen wir auf ei-nem Vulkan; aber die Graucl vom 20. und 21. Nov. haben selbst die vom 16. Jun.übertrossen. Dießmal haben die Mörder, müde immer dieselben Opfer zu tref-fen, sich auch an die Franken gemacht, und nur die Furcht vor den auf der Nhedeliegenden europäischen Kriegsschiffen hat sie Anfangs noch etwas im Zaume gehal.ten. Schon am 17. Abends wurde mitten im frankischen Quartier ein Slavonier,ein österreichischer Unterthan, von einem Türken ermordet, und der Mörder nahmsich nicht einmal die Mühe, sich zu verbergen, so sicher war er, nicht bestraft z«werden! Der österreichische Konfnl forderte Genugthuung; vergebens! Die fol-genden Tage wurden noch mehrere Franken mißhandelt und bedroht. Da faßtenLetztere den Entschluß, nicht anders als bewaffnet auszugehen, und die Konsulnkonnten dagegen nichts einwenden, da die Umstände es erheischten. Die Türkenwurden wüthend, als sie diesen Entschluß erfuhren, und verschworen sich in ihrenQuartieren zum Untergange der Franken und zum Verderben der Stadt. Man er-hielt davon am 19. Kunde, und eine düstere Unruhe bemächtigte sich aller Gemü-ther. Die europäischen Schiffe, benachrichtigt von den Anschlägen der Türken,näherten sich der Nhede, und die Franken hielten sich zur Vertheidigung bereit. DerTag vergieng indessen ruhig ; allein beym Einbrüche der Nacht kam es auf dem Kaides Fischmarktes z» einem Handgemenge zwischen betrunkenen Türken und einigenEuropäern von gemeinem Stande. Jene feuerten, diese auch; von diesen bliebein Italiener; ein Neger, der es mit den Türken hielt, wurde tödtlich verwundet;Andere leicht. Die Wache wollte Frieden stiften, wurde aber zurück geworfen. DieBestätigung, daß die Franken verborgene Waffen trugen, gieng wie ein Lauffeuerdurch die Stadt, und erbitterte hie Türken. Mit Mühe konnte die Obrigkeit ei-