Ausgabe 
(10.1.1822) 10
 
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Nro. 19. Dienstag, den 22. Jan. Anno 182.2.'

Von Staats, gelehrten, historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten»

Mit allerhöchsten

Redakteur: E.Frhr.v.Seida. Gedruckt u. verlegt von Joseph Anton Moy,wohnhaft auf dem obern Graben in dem sogenannten Schneidhaus.

München , ocn 1 y. Jan.

Heute versammelten sich die hier anwesenden Deputirten der zweyten Kammer,um der Verfassung gemäß 2 Präsidenten aus ihrer Mitte für die Dauer der gegen-wärtigen zweyten Ständeversammlung zu wählen, und 6 Individuen zu diesen Stel-len in Antrag zu bringen. Es waren 8c> Deputirte bey der Wahl gegenwärtig.Das erste Scrucinium gab 77 Stimmen für den Freyherrn von Schrenk, königl. Mi-nisterialrathe, 6z für den von Seuffert, Appellationsgerichtspräsidenten, also einesehr große Stimmenmehrheit für beyde Individuen, welche bereits die beyden Prä-sidentenstellen bey der ersten Ständeversammlung bekleideten sodann 47 Stim-men für den Freyherrn von Weinbach , Appellationsgerichtsvizepräsidenten. Beydem scenScrutinium 55Stimmen für den Appellationsgerichtsrath vonHofsiettenund 50 Stimmen für den Staatsrath Grafen von Preising. Bey dem zten und 4tenScrutinium fand sich keine absolute Stimmenmehrheit. Bey dem 5ten Scruciniumzeigten sich 52 Stimmen für den Landrichter Häcker. Diesem zunächst stand derPfarrer Socher mit 24 Stimmen. Diese Wahl liefert einen neuen Bewies vonder Eintracht, welche unter den Abgeordneten in der 2ten Kammer herrscht. DieNegierung zeigte bekanntermassen ihre Zufriedenheit mit der ersten Wahl der bey»den Präsidenten. Die zweyte Kammer hat durch die neue Wahl neue Beweisegegeben, wie sehr sie bereit ist, die schöne Harmonie noch mehr zu befestigen, welchezwischen dem Throne und der Nation bereits besteht, wie sie dem Sinne der Negie-rung frey entgegen tritt, der erste Schritt der zweyten Kammer ist ein Entgen-kommen der Wünschen der Regierung, denn alle Individuen erfreuen sich wohl ohneUnterschied eines allgemeinen ausgezeichneten Vertrauens. Künftigen Montagden 21. wird die Wahl der beyden Sekretäre vor sich gehen.

Wien , den 15. Jan.

Der österreichische Beobachter giebt folgende, (durch außerordentliche Gele-genheit eingelaufene) Nachrichten aus Konstantinopel vom 29. Dez.: Am 26. dießNachmittags ist der königl. französische Herr Botschafter, Marquis de Latour-Maubourg , am Bord einer königl. Gabarre hier angekommen. Am folgenden Tageerhielt er die Besuche des diplomatischen Korps. Gestern ließ er der Pforte seineAnkunft durch den ersten Dollmetsch, Herrn Jouannin, und durch den ersten Bot-schaftssekretär Herrn Adanson notifiziren. Heute erhielt er den feyerlichen Besuchdes Pfortendollmetschs und die bey diesem Anlasse üblichen Geschenke von Seiteder hohen Pforte. Die Pforte hat folgende Nachrichten aus Bagdad erhalten.Die Perser haben alle Feindseligkeiten eingestellt, und der Friede zwischen beydenNachbarstaaten kann als geschlossen angesehen werden. Diese Anzeige kam durcheinen Tatar Hieher, welcher Bagdad nach dem 20. Nov. verlassen hatte. Die per-sischen Truppen hatten die dieser Stadt zunächst gelegenen Ortschaften wiederholtangegriffen, wurden aber stets von den Truppen des Pascha's mit Verlust zurückgeschlagen. Beyde Theile, müde dieses zwecklosen, seit längerer Zeit dauerndenKriegszustandes, nahmen mit Vergnügen die Vermittelung eines Scheichs an, wel»