Dabei war er durch und durch Franzose, was nicht erst bewiesenzu werden braucht, wenn man erfährt, daß er in Lyon geborenwar. Und zwar im Jahre 1807. Erst im April 1895 ist ergestorben, beinahe 83 Jahre alt. Als ich ihn kennen lernte,Ende der fünfziger Jahre, stand er in der vollen Manneskraft.
Eine gewaltige Figur, wie man sich einen Senator desalten Roms vorstellt, hochstämmig, starkknochig, breite Schultern,auf denen ein gewaltiger Kopf saß, eine Denkerstirn unter einemWald schwarzer Haare, eine starke, mäßig gebogene Nase, eindichter, etwas wildwachsender Bart, ein ironisch lächelnder Mund,große Hände, die in breiten Gestikulationen die Gedanken kommen-tierten, — das Ganze eine imposante und anziehende Er-scheinung, nicht gerade vernachlässigt in der Kleidung, aber auchnichts weniger als geschniegelt. Das einzige, was bei der erstenBegegnung unschön an ihm wirkte, war sein Organ. Von einerKrankheit des Kehlkopfes war eiue dauernde Heiserkeit zurück-geblieben. Man gewöhnte sich daran, besonders da die Übungnicht fehlte, denn er gehörte zur Spezies, die man in unsremKreise die Monologisten nannte, d. h. solche, die stets so viel znreden haben, daß sie einen zweiten nicht neben sich aufkommenlassen. Sein Hanptrival war der Mathematiker und AstronomBabinet, ein bedeutender Gelehrter, oberster Leiter des Lursauäss ehemaliger Artillerieoffizier und nebenbei fenille-
tonistischer Schriftsteller, der die ergötzlichsten Plaudereien überwissenschaftliche Themata ins Journal ciss Debets schrieb. WennChenavard und Babinet am selben Tisch oder im selben Salonzusammen waren, so gab es einen interessanten Kampf um dasAlleinreden. Vou dem, welcher dauu fprach, sagten die um-stehenden Freunde: wenn er niest, ist er verloren; nnd siewollten wissen, daß einmal, als Chenavard monologierte nndplötzlich vom Niesen befallen wurde, er schnell die Hand gegenBabinets Gesicht ausstreckte und diesem so lange den Mundzuhielt, bis er mit Niesen fertig war. Kam Babinet ins Reden,so fah und hörte er nichts um sich her. Eines Tages machtensich seine Frennde den Spaß, ihm bei einem üppigen Gastmahlin drei auseinander folgenden Gängen dieselbe Speise anbietenzn lassen, während für die übrigen die regelmäßige Folge der