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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

Gerichte innegehalten wurde. Unser Babinet verzehrte mit Lust,unter sortlaufenden Erzählungen, dreimal das nämliche. Ganzso philosophisch war Chenavard zwar nicht, aber er hatte docheinen starken Grundzng von Gleichgiltigkeit gegen die land-läufigen Genüsse. War Babinet etwas von einem Cyniker, auchim Aussehen, so kam Chenavard mehr aus den Stoiker hinaus.Er war reich von Hause aus, und nicht geringe Einkünfte wurdenihm regelmäßig aus der Heimat zugeschickt. Eines Tages kamenwir daraus zu reden, und er sprach von seinem Bankier inParis , bei dem er die ihm zugesandten Gelder niederlegte. Ichfragte ihu nach dem Namen des Bankiers. Ganz ruhig, alswäre das selbstverständlich, antwortete er mir: den Namen weißich nicht, aber ich weiß das Haus in der ins ciu Lao zn finden,wo der Mann sein Geschäft hat. Er selbst wohnte in einemüber die Maßen bescheidenen Gemach im vierten Stock einesalten Hauses auf dem linken Ufer der Seine. Nach Naturgenußhatte er gar kein Bedürfnis. Nichts schien ihm drolliger als dieLeute, welche fpazieren gehen. Es war zum Totlachen, wie ermir einmal eine Szene aus diesem Kapitel zum besten gab.Eines Tages habe er ruhig uud verguügt in seinem viertenStock gesessen; da sei plötzlich ein Freund gekommen und mitVorwürfen über ihu hergefallen. Bei einem so herrlichen Wettersäße er zu Hause, das sei empörend, nun aber müsse er hinausund ihn auf dem Spaziergang begleiten; da half kein Widerstand,und nun ging es unaufhaltsam fort, über die Brücke nach denTuilerien und von da weiter in die Elysäischen Felder. Undwas weiter? Da schritten wir nun neben einander her, und dieMenge rechts und links, und der Frennd rief einmal nach demandern aus:alr Hn'il lait bsau, ab Hn'il tait Uud

das war alles, und sonst kouute ich nichts eutdeckeu. Das warseitdem mein letzter Spaziergang; ich hatte genug davon. Maudenkt bei solcher Empfindnugsweise an das Wort der Fran vonStasl, die sich mitten in der herrlichsten Natur uach der Gosseder I'US clu Lao zurücksehnt. So war auch die Freundin Chena-vards geartet, Madame Zaubert, die Freundin Mussets undHeine's. Weder zu Fuß uoch zu Wagen war sie in den zwanzigJahren, die ich sie kannte, auch nur ins Bois de Bonlogne zu