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graphische Reproduktion mit einer Widmung des Künstlers ziertnoch heute mein Arbeitszimmer und rust mir all die gutenStunden zurück, die ich eiust mit ihm verplauderte.
Er konnte mit aller Lebhaftigkeit des Südfranzosen seine An-sichten über ästhetische Fragen auseinander setzen, und es war dochetwas von deutschem, spekulativem Geist darin. So war er, ohnevas Wort Goethes von der Beschränkung, in der sich der Meisterzeigt, auf die Formel gekommen: eines der großen Geheimnisseder Kunst sei die Einsicht in die Notwendigkeit des Opferns:saoriüos sst un äss grauäs ssorets cls 1'g.rt. Sein Sinn fürdeutsch -philosophische Denkweise war, was mir am meisten seineFreundschaft eintrug. Gleichwohl verstand er kein Wort Deutsch ,so wenig wie der Philosoph Caro, der schöne Lieblingsgelehrteder Damen (das Vorbild des Professors in Paillerons Komödie:„Die Welt , in der man sich langweilt"), der ein gar nicht übleszweibändiges Bnch über Goethe geschrieben hat. Köstlich war,wenn Chenavard und Ricard schilderten, wie sie einst eine gemein-same Reise den Rhein herauf machten. Ricard galt für den desDeutschen Kundigen, und seine Meisterschaft kam besonders zustatten, weuu es sich ums Zahlen handelte. Da füllte er feiueHaud mit Kleingeld, reichte sie fragend dem Empfänger hin undsagte: Li ül? (Soll heißeu: wie viel?), dem andern überlassend,sich das Verlangte selbst zu nehmen. Heutzutage ist das anders.Die Zahl der jungen Franzosen, die gnt Deutsch können, ist sehrgroß. Da ist es umgekehrt gegangen wie in der Parabel. Wasdie Sonne der Freundschaft nicht fertig brachte, das gelang demStnrmwind der Feindschaft.
Eine zärtliche Freundschaft verband Chenavard mit Rossini.Es war nicht sowohl ein Gegensatz, in dem die beiden inter-essanten Geister zusammenklangen, als ein Akkord weit aus-einanderstehender Töne. Hier der ernste, grübelnde, nie ansZiel gelangende Stoiker, dort der heitere, beruhigte Epikuräer,der sich schon im frühen Mannesalter fröhlich und befriedigt aufseine Lorbeeren niedergelegt hatte und sich seit langen Jahrenim Genuß seines Ruhmes in Paris sonnte. Kein Ort der Weltist so dazu geschaffen, solchen Besitz zu verschönen. Die Stadthatte Rossini eine Villa im Bois de Boulogue geschenkt, uud