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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris .

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an Salieri zu rächen, der ihn genötigt hatte, mich zu empfangen,schrie er mit fürchterlicher Stimme: Wie? Sie nennen sich einenBewunderer Mozarts nnd Sie lassen sich von dem begleiten, derihn vergiftet hat? Salieris Gesicht verzerrte sich. Da ichmeines Teils keine Ahnung davon hatte, daß man Salieri einessolchen Verbrechens verdächtigt hatte, so glaubte ich, Beethoven sei verrückt geworden; ich faßte meinen Landsmann unter denArm, um ihn fortzuziehen. Aber er schrie den anderen an:Wie, Meister, Sie glauben an solche Gerüchte! Sicherlich!erwiderte Beethoven mit bissigem Lächeln. Salieri drehte sichnach mir um und sagte: Höre, Rossini, sehe ich aus wie einer,der seinen Nebenmenschen vergiftet hat? Und er sah so komischin seiner Verdutztheit aus, daß ich mir nicht versagen konnte, zuerwidern: Wenn Du nur Deine Physiognomie hast, um Dich zuverteidigen, so haft Du Dir einen schlechten Anwalt genommen. Ich suchte dann das Gespräch durch einige Scherze wieder zubeleben. Aber vergeblich. Salieri blieb mürrisch, und nacheinigen Phrasen verfiel Beethoven wieder in sein ernstes Schweigen.Damit war die Sache zn Ende. Dies der Bericht.

Seit dem Jahre 1867, wo ich Paris verließ, um nachDeutschland uud zur aktiven Politik zurückzukehren, hörte natürlichmein regelmäßiger Verkehr mit Cheuavard auf. Durch unseregemeinsame Freuudiu, Karoline Zaubert, ließ er mir schreiben,er billige meinen Entschluß, vorausgesetzt, daß ich verstünde, michvom Ehrgeiz frei zu halten. Dieselbe Vermittlerin berichtetemir, daß 1870 während der Belagerung, Chenavard nnd meinanderer Freund, der Historiker Lanfrey, die ihren Dienst alsNationalgardisten auf den Wällen thaten, bös auf mich zusprechen waren. Das war ja ganz in der Ordnung. Aber nachden ersten Jahren machte es sich doch wieder auch bei ihm ganzund gar.

Als bald nachher Lanfrey Gesandter in der Schweiz wurde,schrieb er mir nach Berlin , unsere Freundschaft solle unberührtbleiben, aber so lange Elsaß-Lothringen als Speer in der WundeFrankreichs stecke, könnten wir uns nicht wiedersehen. Doch alsich im Jahre 1874 wieder zum erstenmal nach Paris kam, war ereiner der ersten, die mich aussuchten, und das alte herzliche Ver-