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hinter einer Brille hervorlugenden Augen, weichen, zarten Händenund eleganten Füßen. Auch watschelte er eiu wenig, wie eiuwohlgenährtes Pfüfflein, was ihn aber nicht übel kleidete.
Seine Bildung war nicht tief. Er besaß den gewöhnlichenSchliff des Iwmrllö c!s Isttrss, aber Witz und ssxrit, was nicht das-selbe ist, wie Geist. Sein Fach war eigentlich der Roman und dieNovelle, doch brachte er es bei einer unendlichen Fruchtbarkeitund einer weit verbreiteten Notorietät niemals zu einem glänzendenErfolg. Der beste Roman, den er je geschrieben, erschien bald,nachdem wir näher miteinander bekannt geworden waren. Erhieß Nonsism- öt ?si'06l und enthielt eine sehr gelungene
Schilderung des französischen Provinzlebens. Das Bnch machteseiner Zeit Glück, ist aber jetzt gewiß vergessen.
Neben der schönen Litteratur trieb Ulbach auch Politik, undzwar natürlich oppositionelle gegen Napoleon. Er war Republi-kaner des alten klassischen Stils aus der Ära der zweiten Repu-blik, deistisch, freigeistig und kosmopolitisch, jedoch ohne irgendeine fremde Sprache oder Litteratur zu kennen.
Lange Zeit war er auch Theaterrezensent nnd als solcherimmer zu den Vorstellungen mit Logen versehen, an denener seine Freunde freigebig teilnehmen ließ. Von dieser ArtLiberalität, wie sie der Presse gegenüber von den Pariser Theater-direktionen gehandhabt wird, hat man bei uns keinen Begriff.Wer einige gute Bekanntschaften in der Schriftstellerwelt hatte,konnte immer umsonst ins Theater gehen, und die Litterateu selbstgenossen und genießen noch heute ein ähnliches Privilegium aufdeu Eisenbahnen. Alle Welt ist jahraus jahreiu so bemüht,mit der Presse auf gutem Fuß zu stehen, daß man immer bereitist, sie dnrch kleine Aufmerksamkeiten zu verpflichten. Ich glanbe,in Osterreich besteht ein ähnliches Verhältnis.
Ulbachs unerschöpfliche Produktivität entsprang zunächst demBedürfnis, mit der Feder Geld zn verdienen. Er machte rechtviel, ohne deshalb jemals zu geordneten Finanzen zn komineu.Dieser Zug der Jagd nach dem Geld und des endlosen Kampfesmit den daraus entstehenden Verlegenheiten ist auch eine Spezia-lität der französischen Litteratur, die man bei uns kaum kennt,wenigstens nicht in den höheren litterarischen Sphären.