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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

Er war es, der mir noch im Vorsaale der Kammer dieNachricht von dem Verzicht des Fürsten von Hohenzollern mit-teilte. Seit jener Stunde hab ich ihn dann nicht wiedergesehen,obwohl er erst im Jahre 1896 starb. Weniger eigene Erwägungen,als ihm zugetragene Hetzereien wegen meiner Begleitung Bismarcksim Anfang des Feldzugs machten ihn bedenklich, auch wohl umseiner eigenen Stellung wegen sich mir zu nähern, als der Friedehergestellt war. Er ist der einzige meiner früheren Pariser Frennde, mit dem dies geschah. Doch nahm er nie einen feind-seligen Charakter an. Als er später Gesandter der Republik inBern war eine Versorgung, die ihm um seines BerlinerPräzedenzsalles und seiner alten Parteitreue willen diese Sinekureeintrug ließ er einmal durch Ulbach bei mir anfragen, ob erwillkommen wäre, wenn er mich in Jnterlaken anfsnchte, was ichnatürlich bejahte. Aber er erschien nicht. Er fürchtete wohl doch,in seiner offiziellen Stellung sich zu kompromittieren.

Der Zufall wollte, daß vor Arago der andere der nächstenFrennde, die ich im Ulbachschen Hause zuerst kennen lernte,ebenfalls Gesandter in Bern war. Doch fiel das vor die Zeit,da ich mich in Jnterlaken angekauft hatte.

Pierre Lanfrey war in allen Stücken ein andrer Mann alsArago. Er war kein Pariser und verdankte seine ganze Stellungsich selbst. In Chambsry geboren, wurde er, der wie ein Nord-länder aussah, erst durch die Annektierung von Savoyen Franzose;er hatte aber allerdings eine ganz französische Erziehung ge-noffen.

Während des letzten Teils des Krieges hatte ihm Gambettaeine Präsektur autragen lassen; allein er mißbilligte bei seinemharten, strengen Charakter Gambettas prahlerisches Wesen, und,indem er den Antrag ablehnte, wurde er vielmehr, wie ich berichtete,Freiwilliger in der Mobilgarde. Erst unter der Präsidentschaftvon Thiers wurde er zum Gesandten in der Schweiz ernannt.

Unter der Präsidentschaft Mac Mahons trat er von diesemPosten zurück und als gewähltes Mitglied in den Senat ein.Von der Mitte der siebziger Jahre an begann er zu kräukelu,ging zur Erleichterung seiner langen und schmerzlichen Leiden inden Süden und starb daselbst 1877, noch nicht fünfzig Jahre alt.