434
Siebentes^ Kapitel.
sein Leben lang ein trener Anhänger der Orleans nnd darumdem bonapartistischen Regiment feindlich. Er war ein Bruderdes anderen berühmten württembergischen Mohl, Moritz,Mitglieds der Panlskirche und der ersten deutschen Reichs-tage. Auch Moritz, der Nationalökonom, hatte viele Jahre inFrankreich, besonders in Havre gelebt nnd seinen wirtschaftlichenSinn sehr nach französischem Zuschnitt ausgebildet; er war eifrigerAnhänger des Schutzzolls, der Doppelwährung und des Tabak-monopols, ein furioser Gegner Preußens und Bismarcks, aberwie man sieht, von Anfang an für alle wirtschaftlichen Systemeeingenommen, für die sich Bismarck erst im Jahre 1878 begeisterte,als der gute Mohl nicht mehr im Reichstag war. Ich hätte ihmdie Genugthuung wohl gegönnt, seinen ehemaligen Gottseibeiunsals seinen gelehrigen Schüler auftreten zu hören.
Mohl war einer der höflichsten Menschen, mit denen ich jeauf deutscher Erde zusammengekommen bin, vielleicht auch eiueFolge seiner französischen Bildnng. Obwohl ich wegen unsererdiametral einander gegenüberstehenden Meinungen oft in heftigenWortkampf mit ihm geraten war (namentlich beim Münzgesetz),und ich mir — ich gestehe es mit Reue — im jugendlichen Über-mut meiner fünfzig Jahre manchen respektlosen Witz mit ihmerlaubt hatte, war er in der persönlichen Berührung immer vonder ausgesuchtesten Courtoisie gegen mich — beiläufig gesagt einMann von stnpendem Fleiß und Wissen.
Die beiden anderen Brüder waren der berühmte BotanikerHugo und der noch berühmtere Staatsrechtslehrer und spätereGesandte und Minister Robert von Mohl . Dieser war anch 1848Reichsjustizminister in Frankfurt unter der Eintagsherrschaft desReichsverwefers Erzherzog Johann .
In dieser Zeit glaubte ich mich einmal wegen irgend einerRechtsverletzung seitens meiner Hessen -darmstädtischen Regierungbeim Reich beklagen zu müssen. Ich fuhr von Mainz nach Frank-furt und begab mich in die Wohnung des Reichsjnstizministers.Auf mein Klingeln öffnete mir ein juuges Mädchen, noch imschulpflichtigen Alter. Es war die Tochter des Hauses, Auua,mit der ich später in Berlin die Bekanntschaft erneuerte, als sie dieGattin von Helmholtz war. Sie erinnerte sich natürlich der ersten