446 Siebentes Kapitel.
Kutte gesprungener Geistlicher sei. Sie nannte sich Madame LaMessine; sie schriststellerte aber unter dem Namen Juliette Lamber .Sie war eine bildschöne und liebenswürdige junge Fran. Ihrnotorisches Verhältnis zu Adam hinderte sie, in die große Ge-sellschaft zu kommen. Um so dankbarer waren beide, daß sie inkleineren Gesellschaften bei Szaroady und Frau empfangen wurden,wo ich sie kennen lernte. Die Romane, die sie schrieb, waren sehrunbedeutend, aber Adams für den Journalismus sehr ins Gewichtfallende Stelluug verschaffte ihnen natürlich bereitwillige Aufnahmein den Feuilletons der großen Zeitungen. Eine ganze ReiheRomane hat sie daun in den letzten sechziger Jahren auch in Buch-form veröffentlicht.
Als in derselben Zeit Herr La Messine starb — eine Schei-dung gab es damals noch nicht — heiratete sie Adam. DasEhepaar bezog eine große Wohnung auf dem Lou1svs,r6 ?oissollllisrs,wo Madame alsbald sich einen politischen Salon anzulegen ver-stand. Da sie sehr anmutig und — obwohl bereits Mutter einerheiratsfähigen Tochter erster Ehe — noch immer eine brillanteErscheinung war, so brachte sie es auch bald dazu, viele Celebri-täten der Litteratur und namentlich die Blüte der republikanischenFeinde des Kaisertums um sich zu sammeln. Ich fühlte mich darecht behaglich und lernte allerhand berühmte Leute kennen. Nachvem Sturz des Kaiserreichs ging Adam wieder in die Politik,wurde sofort nach dem 4. September 1870 Polizeipräfekt vonParis, dann Mitglied des tZouvsrnsrllöllt äs lg. Dölsiiss ng.tio-nals, später Abgeordneter und zuletzt Senator. Er starb 1877.
Während des großen Krieges wurde Frau Juliette eineöffentliche Fignr. Sie gab sich eine große patriotische Missionund soll bei irgend einer Gelegenheit, wo es galt, den Mut derBesiegten im Lauf der Belagerung zu entflammen, mit einermächtigen dreifarbigen Fahne aus ihrer Wohnung auf den Boule-vard hinabgestiegen sein und die Menge mit heroischem Pathos an-geredet haben. Wenn es richtig ist, so hat sie sich jedenfalls sehrgut dabei ausgenommen. Sie ward eine rasende Deutschen- oder,wie sie es lieber nannte, Prenßenseindin und schwur insbesondreBismarck einen grimmen Haß, zu dem sie in einer, auch ihn be-rührenden persönlichen Fehde zu stehen meinte. Natürlich konnte