Print 
Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Place and Date of Creation
Page
447
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 
  

Paris .

447

unsere Freundschaft diese Wendung nicht überleben; es wurde mirsogar einmal erzählt, sie hätte mich zu denen gerechnet, die Moltkeden Weg nach Paris gezeigt, nachdem sie ihren Aufenthalt imLande dazu benutzt hätten, alles im Auftrage Bismarcks auszu-spionieren. Ich fand diese Auffassung von einer temperament-vollen Fran, die sich eine schöne Rolle zurechtgeschuitten hatte undvon sittlichem Unwillen gegen den bösen Gnillaume und den ver-räterischen Bismarck erfüllt war, ganz in der Ordnung und habees ihr uicht einen Augenblick verdacht. Gesehen haben wir nnsnicht mehr. Doch hörte ich später von gemeinsamen Freunden,daß sich allmählich ihr Zorn gegen mich abgekühlt habe.

Ihr Salon erhob sich uuter der dritten Republik natürlichnoch zu viel höherer Glorie als unter dem Kaiserreich. Siegründete die^ouvslls ksvus", in welcher die von so sensationellemErfolg begleiteten Schilderungen der Berliner Hoskreise erschienen,deren Verfasser hente noch nicht feststeht. Nach ihres MannesTod trat sie in sehr nahe Verbindung mit dem damals auf derHöhe seiner Macht stehenden Gambetta, und eine Zeitlang gingdas Gerücht, er werde sie heiraten. Damals hatte sie wirtlicheine große Stellung und in ihrem Salon wurden wie dies inFrankreich herkömmlich ist viele Präfekten und Unterpräfektengemacht. Soviel steht fest: Das russische Bündnis, in dem jetztFrankreichs auswärtige Politik gipfelt, hatte sie vou Anfang anals das große zu erreichende Ziel verkündet. Sie reiste sogardeshalb in Person nach Rußland , soll aber in den höchsten Kreisennicht so empfangen worden sein, wie sie erwartet hatte. Auch,als die russische Flotte nach Frankreich kam, sowie bei dem darauffolgenden Besuch des Czarenpaares in Paris , gelangte sie nichtzur Geltung.

Sie machte mit derselben Tendenz auch eiue Reise uach Ungarn und ließ sich vou deu Magyaren feiern/aber eine politische Wirkunghat sie mit dieser Reise nicht erzielt.

Als Gambetta starb, hatte sich sein Verhältnis zu ihr schouseit einiger Zeit gelöst; daß es je ein mehr als freundschaftlichesgewesen, habe ich uicht behaupten hören, und es war bekannt, daßein wirklich iutimes zwischen ihm und einer anderen Dame be-