Siebentes Kapitel.
stand, die sogar in der Geschichte seiner letzten Tage eine Rollespielte.
Überhaupt abgesehen von der — nmer den obwaltenden Um-ständen — kaum anstößig zn nennenden Verbindung mit Adam,hat man Jnliette nie etwas nachsagen können.
Nicht so stand es mit einer anderen Schriftstellerin, die ichznr selben Zeit viel sah, und die auch eine gewisse, wenn schon ge-ringere politische Rolle spielte. Sie war ebenfalls eine faktisch vonihrem Mann getrennte Frau; Madame Clande Vignon schrift-stellerte, stattlich von Person, viel weniger schön als MadameAdam, aber litterarisch etwas mehr. Zur Zeit als ich sie vielbei Ulbach sah, erfreute sie sich der Protektion des berühmtenArchitekten Lefuel , des Erneuerers des Louvre. Später heiratetesie unter der Republik den Finanzmann Ronvier, welcher mehr-mals Minister war und zu den meistgenannten Politikern desLandes gehörte.
Bei weitem die interessanteste Schriftstellerin, deren Be-kanntschaft ich gleichfalls Ulbach verdankte, war die George Sand .Unsere erste Begegnung fand auf Ulbachs Vorschlag bei ihrselbst statt. Er hatte ihr von mir und meiner Frau gesprochen,und sie lnd uns zu einem stillen Abend zu sich ein, bei dem außeruns vieren niemand zugegen war. Sie erschien mir ganz alsdas natürliche ungezwungene Wesen, wie sie auch sich in ihrenBriefen an ihre Freunde giebt, keine Spur von Pose oder Feier-lichkeit oder Überlegenheitsbewußtsein. Man kennt ihre Gesichts-züge aus den Bildern der Zeit; sie war damals schon bejahrt,sah aber wohl erhalten aus, etwas stark, mit lebhaftem Blick.Den ganzen Abend hindurch steckte sie eine Cigarette an derandern an. Ihre Unterhaltung war sehr lebhaft; der Einzelheitenentsinne ich mich nicht mehr, nur noch, daß die Rede auch aufdie Familie Arago kam, mit der sie in sehr naher Beziehungstand. Insbesondere kam unser Frennd Emanuel, der frühereund spätere Gesandte, und sein Oheim Etienne, der Verfassereiniger Vaudevilles , aufs Tapet. Sie meinte, man dürfe beide,als höchst nnreife Menschen, nicht ernst nehmen, nnd sie schloß ihredespektierliche Glosse mit den Worten: Lmmanuel g. an-j stLtisnQö trois. Sie hatte damals trotz ihrer vorgerückten Jahre