noch ein intimes Verhältnis zu einem jüngeren Mann, wenn ichmich recht erinnere, einem Musiker.
So natürlich und anspruchslos die Sand sich gab, so feierlichund siegesgewiß war das Austreten ihrer litterarischen Kollegin,der Gräfin d'Agoult. Ich that ihrer schon knrz Erwähnung. BeideFrauen hatten viel Gemeinsames in ihren Erlebnissen; geschieden,mit romantischen offiziellen Liebschaften nnd schriftstellerischenErfolgen unter notorischen Pseudonymen.
Der Salon der Gräfin d'Agoult , zu dem ich auch Zutritterhielt, hatte einen entschieden oppositionellen Charakter. Die meistenmeiner politischen Freunde, deutsche Flüchtlinge und französischeRepublikaner, gingen hier aus und ein. Trotz der Unregelmäßigkeitder ehelichen Zustände in diesem Hanse hatte man bei diesem Umgangnicht das Gefühl einer abnormen oder gar frivolen Atmosphäre. Eswaren eben Menschen, die grundsätzlich sich von den gesetzlichenBandender bürgerlichen Ordnung freigesprochen hatten, weil sie sich darübererhaben fühlten, im übrigen die guten Sitten nicht verletzten unddie Formen des gesellschaftlichen Anstandes anfs strengste bewahrten.Nicht einmal der Hauch einer gewissen Galanterie lag über demGanzen, obwohl die Herrin des Hanfes damals einen neuenAnbeter, einen stillen, feinen, ernsten Poeten hatte, der ihr bis zuihrem Tode treu blieb.
Es ist gar nicht zu leugnen, daß glückliche Vermögenslageuud gesellschaftlicher Rang Zuständen, die in niederen AtmosphärenAnstoß erregen, eine Art Sanktion geben, wie dies an den Höfenso oft gesehen wird und ehemals noch mehr gesehen ward, alsjetzt. Es gehört das zu den Ungerechtigkeiten dieser widerspruchs-vollen Welt.
Die Kinder der Madame d'Agoult, eine legitime Tochter unddie illegitimen Kinder aus den Beziehungen mit Liszt , lebten ansganz geschwisterlichem Fuß mit einander. Alle hatten viel deutscheBildung, ohne Zweifel dank dem Ursprung von mütterlicher Seite.Die Frankfurter Bethmanns, ihre Verwandten, scheinen überhauptmit Frankreich von alter Zeit her in engem Zusammenhang ge-standen zu haben. In den interessanten Erinnerungen der Madamed'Epinay kommt ein in Havre angesessenes deutsches Handelshausdes Namens vor, bei dem ihr Sohn die Handlung lerut.
BambergerS Erinnerungen. ZZ