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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
28
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Diese Auseinandersetzung ist notwendig, um dem Einwandzu begegnen, dass es niemand, der von den Münzverhältnissenalter Zeiten spricht, einfällt, das Wort Parallelwährung in demstrengen modernen Sinne zu gebrauchen. Das thut freilich nie-mand, aber niemand scheint sich dessen bisher klar und deutlichbewusst geworden zu sein, niemand hat bisher den prinzipiellenUnterschied zwischen den beiden in Frage stehenden Münzzu-standen präzise formuliert und darauf aufmerksam gemacht, dassdie auch unter den Begriff Parallelwährung gefasste Münzverfassung,wie sie beispielsweise in Preussen bis etwa 1750 herrschte, ihrerArt nach sowohl von der eigentlichen Parallelwährung als auchvon allen anderen Münzsystemen durchaus verschieden ist.

Nur bei Jevons findet sich eine Andeutung. Er kennt einenZustand, wie ich ihn als Sortengeld charakterisiert habe, und er

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nennt ihnfreies Zählgeld". Aber die Art des Münzwesens,wie er sie im Auge hat, ist nur eine spezielle Art des Sorten-geldes. Er denkt an halbzivilisierte Völker, welche mit mehrerenzivilisierten und Münzen als allgemeines Tauschmittel gebrauchendenVölkern in Berührung kommen. Dort finden allmählich dieMünzstücke der verschiedenen Staaten Eingang, welche zivilisierteVölker als Handelsmünze benutzen und teilweise ausschliesslichals Handelsmünze prägen: Maria-Theresia-Thaler, Trade-Dollars,mexikanische Piaster u. s. w.; früher und in Europa vielfach auchGoldmünzen, wie die schon erwähnten Besants und Florenen.Jevons erkennt, dass zwischen diesen sich zufällig zusammen-findenden Münzen keine Zusammengehörigkeit stattfindet und dassSchwankungen in der Schätzung auch zwischen den Münzen desgleichen Metalles vorkommen.

Dieses ist in der That der Anfang des Münzwesens bei allenVölkern, welche zum Gebrauch der Münzen nicht durch deneigenen Erfindungsgeist, sondern durch den Verkehr mit kulturellhöher entwickelten, geprägtes Geld benutzenden Nationen ge-kommen sind, und das wird wohl für alle Völker, mit Ausnahmeder kleinasiatischen Griechen oder der Lydier, gelten.

Diesen Zustand hat Jevons sehr richtig erkannt und auchklar als etwas von den übrigen Münzsystemen grundverschiedenesempfunden. Was er aber nicht erkannt hat, ist, dass dieser vonihm erfasste Münzzustand nicht nur bei halbzivilisierten Völkernbesteht, welche nur von vorgeschritteneren Staaten geprägtes Geld,