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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
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die Metalle noch lauge nicht ausschliessliches Gehl waren, undausserdem bestanden höchst wahrscheinlich schon mehrere Gold-münzsorten, ehe die erste Silbermünze geschlagen wurde.

Aber ausser diesen historischen Betrachtungen sprechen inder Natur der Sache liegende Gründe allgemeinen Charaktersgegen die Möglichkeit, dass die erste Verfassung des geprägtenGeldes eine Parallelwährung, also ein Münzsystem gewesen sei.

Münzsysteme sind erst dann möglich, wenn das Geld einjuristischer Begriff geworden ist, erst gleichzeitig mit demjuristischen Begriff der allgemeinen Geldschulden, deren Er-füllungsnormen die staatliche Gesetzgebung genau regelt. Voraus-setzung eines jeden Münzsystems ist, dass der Staat die Vertret-barkeit der einzelnen Münzsorten in einem genau von ihmbestimmten Verhältnis nicht bloss forciert, sondern auch wirklicherzwingt. Erst wenn die Gesetzgebung sich damit beschäftigt, be-ginnt die Entwickelung der Münzsysteme, erst wenn sie dazuwirklich imstande ist, beginnen die Münzsysteme selbst.

Das Geld ist nun aber nicht von vornherein ein juristischerBegriff gewesen, sondern es war anfangs nichts, als das belieb-teste Tauschmittel. Erst lange nachdem sich das geprägte Edel-metall zum allgemeinen Tausch- und Zahlungsmittel empor-gearbeitet hatte, durch die ihm innewohnende natürliche Befähigungzu diesem Zweck, und erst nachdem die Entwickelung des Rechtesbei den einzelnen Völkern auf einer ziemlich hohen Stufe ange-kommen war, wurde das Geld aus einer lediglich volkswirtschaft-lichen auch eine juristische Institution, erst dann wurde diegegenseitige Vertretbarkeit der einzelnen Münzsorten unddie Normen derselben, z. B. die Beschränkung der Zahlkraft ge-Avisser Sorten, durchgesetzt, und es trat die allgemeine Geld-schuld in Erscheinung, um mit der Zeit die Sortenschuld sogut wie völlig zu verdrängen.

Blicken wir zurück auf die Resultate dieser Untersuchung,dann ergiebt sich eine Änderung unserer Ansichten über dieEntwickelung des Geldes nach der Erfindung derMünzen. Wenn wir diese in ihrem grossen, allgemeinen Fort-gange überblicken, nicht die Entwickelung des Geldes in einzelnenLändern, sondern die Entwickelung des Geldes als solche von

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dem ersten Münzstück ab, dann erhalten wir in grossen Zügenden folgenden Verlauf:

Ilelfferich, Abhandlungen. 3