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Nachdem das als Geld verwendete Metall in die Form vonMünzen gebracht war und man sich an dieses neue Tausch- oderZahlungsmittel gewöhnt hatte, betrachtete man nicht mehr dieMetalle nach ihrem Gewicht, sondern die einzelnen Münz-sorten als Tausch- oder Zahlungsmittel. Insbesondere warenjetzt nicht mehr nach dem Gewicht bestimmte Met ali-quanten der Faden, an welchem sich Zahlungsverträge für dieZukunft fortspannen, sondern die individuellen Münzsorten.Die einzelnen Münzen aber waren, losgelöst vom Metall, ihremSchicksal überlassen. Sie gingen oft in die Fremde, wie heutenoch die Maria-Theresia-Thaler und die mexikanischen Dollars,nutzten sich ab, wurden auch absichtlich an ihrem Gehalt ver-kürzt, und kein Mensch kümmerte sich darum, sie auf ihremursprünglichen Münzfusse zu erhalten. Die einzelnen Münzsortenunterlagen diesen Schicksalen in verschiedener Weise. KleineMünzen nutzen sich leichter ab, als grosse, dünne sind leichterund unmerklicher zu beschneiden als dicke. Dazu kommt diegeringe Prägekunst und die unentwickelte Justiertechnik; oftgenug auch absichtlich schlechte Ausprägung und Münz-verschlechterungen aller Art. Da jede Münze auf diese Weiseihr eigenes Leben hatte, und da ihr Wert sich nach dem er-fahrungsmässig ungefähr durchschnittlich in ihr enthaltenenQuantum Edelmetall richtete, bekamen die einzelnen Sorten zueinander schwankende Geltung. Solange dies der Fall ist, giebtes bloss individuelle Münzsorten, aber keine Münz-systeme.
Wenn man das erwägt, dann kann man die Erfindung undEinführung der Münze nicht für eine Errungenschaft von aus-schliesslichem Vorteil halten. Die Bequemlichkeit, sich dasProbieren und Zuwägen der Edelmetalle sparen zu können, wardamit wohl erreicht; und das war immerhin sehr viel, wenn manin Betracht zieht, dass das Metall als Geld dadurch erst für denweitaus grössten Teil der Menschen, für diejenigen, welche desWägens und insbesondere des Probierens unkundig waren, mög-lich wurde. — Andrerseits ist jedoch zu bedenken: ein absolutwertbeständiges Gehl giebt es ja nicht, aber dass möglichsteWertbeständigkeit ein eminent wichtiges Erfordernis gutenGeldes ist, darüber giebt es keinen Streit. In dieser Beziehungwar das gemünzte Metallgehl ein Rückschritt gegen das un-