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ist es also, welches juristisch ebenso wie volkswirtschaftlich fürdie Währungspolitik ausschlaggebend sein muss.
Nun ist es allerdings für die Gesetzgebung unmöglich, einevöllige Wertkonstanz des Geldes zu erreichen. Es giebt keinGut, dessen Wert nicht je nach den Änderungen der Produktions-und Marktverhältnisse Schwankungen durchmacht, die Edelmetalle,von welchen das Geld in der Regel seinen Wert ableitet, nichtausgenommen. Fehlt uns so ein wertbeständiges Gut, vonwelchem wir den Wert des Geldes abhängig machen könnten,und fehlt uns die Möglichkeit, Schwankungen im Werte desGoldes und des Silbers zu verhindern, so fehlt uns zugleich auchjeder sichere Massstab für die Wertveränderungen des Geldes.In Bezug auf diese können wir uns aus logisch notwendigenWirkungen und Begleiterscheinungen der GeldwertschwankungenFolgerungen ziehen. Namentlich kommen in Betracht die Be-wegungen der Warenpreise und der Arbeitslöhne und die Ver-änderungen des Zinsfusses und des Diskontsatzes.
Erwägungen, welche die Wertkonstanz des Geldes betreffen,können einen Währungswechsel unter Umständen als notwendigerscheinen lassen. Ein Währungswechsel kann allerdings auchaus anderen, und zwar wirtschaftlichen Motiven als wünschens-wert erscheinen. So war einer der wichtigsten Gründe, welcherDeutschlands Übergang zur Goldwährung veranlasste, dieWährungsgleichheit mit dem den Weltmarkt beherrschendenGoldgelde; ebenso sind der noch nicht ganz durchgeführte öster-reichische Währungswechsel, die Münzreform in Russland und diewährungspolitischen Massnahmen Japans und Indiens hauptsächlichdurch den "Wunsch nach Währungsgleichheit mit den Hauptkultur-nationen Europas veranlasst. "Wenn aber nun ein Währungs-wechsel aus Gründen durchgeführt wird, welche mit der Wert-beständigkeit des Geldes nichts zu thun haben, so darf ein solcherWährungswechsel doch nicht die Wertbeständigkeit des Geldesverletzen oder zerstören. Völlig unzulässig vom juristischen Ge-sichtspunkt aus ist natürlich ein Währungswechsel, dessen Motiveine Veränderung des Geldwertes ist, sei es nach oben oder nachunten, eine Geldverteuerung oder eine Geldentwertung.
Wenden wir nun diese Ergebnisse auf die gegenwärtigenWährungsverhältnisse an.