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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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Roggen ihren Höhepunkt erreichte. Dann folgten weichendePreise bis ins 3. Quartal, und trotz der im 4. Quartal eintretendenBesserung wurden die Preise zu Anfang des Jahres nicht erreicht.Weizen stand 54'/ 2 im 4. Quartal gegen 60 im ersten, Püggen42'/,, seilen 45. Auf dem Weltmarkt war dies Verhältnis umge-

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kehrt : zu Ende des Jahres standen die Preise infolge der ameri-kanischen Missernte höher als zu Anfang. Abermals war es derUmstand, dass die fortgesetzt starke russische Getreideausfuhrden Pubelkurs beträchtlich hob, durch welchen eine Uebertragungder steigenden Weltmarktspreise auf Pussland zum Nachteil desrussischen Landwirtes verhindert wurde.

Die Missernte des Jahres 1891 zeigt uns ein neues Bild.

Bei einem allgemeinen starken Getreidebedarf kam die russische Ausfuhr fast völlig in Wegfall. Das russische Getreideausfuhr-verbot verschärfte die Spannung.

Russlands Ausfuhr sinkt auf einen unerhörten Tiefpunkt.Mit ihr sinkt der Rubelkurs. Im 2. Quartal 1891 stand er durch-schnittlich auf 240, im 1. Quartal 1892 betrug er nur noch 201V,,annähernd 20 °/ 0 weniger. Seit dem russisch -türkischen Kriegwar in so kurzer Zeit kein solcher Kurssturz dagewesen; selbstdamals wurde er kaum erreicht.

Da hatten nun die russischen Getreideproduzenten und Ex-porteure allerdings eine kolossale Exportbegünstigung; aber siehatten sie nur, weil nichts zum Exportieren da war.

So bildet das Jahr 1891 das vollendete Gegenstück zumJahre 1888. Hier eine enorm günstige Ernte und deshalb enormeGetreidemengen für den Weltmarkt zur Verfügung, dazu einegute Weltmarksnachfrage; aber infolge dieser Verhältnisse eineSteigerung der Rubelkurse, die für den russischen Landwirt undHändler die günstige Konjunktur verdarb. Dort eine ungemeinstark sinkende Valuta, die aber einzig und allein darauf beruht,dass Russland nichts exportieren kann. Schlagender als durchdiese beiden Beispiele kann die Wechselwirkung zwischen Ge-treideausfuhr und Valutaschwankungen nicht dargethan werden.

Von einem Druck auf die Weltmarktspreise infolge der enormgesunkenen russischen Valuta konnte natürlich aus demselbenGrund keine Rede sein, auf welchem der Rückgang der Valutaberuhte: dass nämlich nur wenig exportiert werden konnte. So