Das Jahr 1890 brachte durch den schlechten Ausfall dernordamerikanischen Ernte Russland , dessen Ernte günstig war,abermals in eine vorteilhafte Stellung. Russland hatte deshalbim Jahre 1890/91 bereits zum viertenmale in ununterbrochenerFolge eine aussergewö'hnlich starke Ausfuhr von Getreide zu ver-zeichnen. Besonders forciert wurde die Ausfuhr während des3. Quartals 1890, als sich alle schlimmen Befürchtungen überden amerikanischen Ernteausfall erfüllten und die Preise inNewyork rapid in die Höhe gingen.
Die Wirkung auf die Valuta war ein mächtiges Steigen desRubelkurses von "210 im Durchschnitt des 3. Quartals 1889 auf248 im 3. Quartal 1890. Im September dieses Jahres erreichteer sogar einen Höhepunkt von 265. Zu diesem rapiden Steigenmögen noch andere Umstände mitgewirkt haben, der Hauptgrundwar zweifellos die fortgesetzte starke russische Getreideausfuhr.
Die Wirkung dieser Verhältnisse auf die Getreidepreise inRussland und auf dem Weltmarkt war analog der im zweitenHalbjahr 1888 beobachteten.
Zwar trat auf die starke Preissteigerung, welche Weizen undRoggen während der zweiten Hälfte von 18S8 auf dem Welmarkterfuhren, während der ersten Hälfte von 1889 eine Reaktion ein.Weizen sank auf 136V„, Roggen auf 96 1 /,,. Die zweite Hälftedes Jahres brachte jedoch einen neuen Preisaufschwung nament-lich für Roggen, der im 1. Quartal 1890 seinen Höhepunkt er-reichte (Weizen 141, Roggen 122). Die Ernteverhältnisse desJahres 1890 führten nach einer schwachen Reaktion im 2. Quartaldieses Jahres zu einer neuen Preissteigerung. Im 4. Quartal 1890(für die späteren Preise spielen schon die bodenlos schlechtenErnteaussichten für 1891 einigermassen mit) stand Weizen inDanzig durchschnittlich auf 149, Roggen in Bremen auf 128.
Im ganzen war also seit dem 2. Quartal 1889 Weizen von136 V, auf 149, Roggen von 96'/, auf 128 ohne wesentlicheUnterbrechung gestiegen.
In Russland setzte sich in der ersten Hälfte des Jahres 1S89die sinkende Preisbewegung fort. Im 2. Quartal stand Weizenin Odessa auf 55V S j Roggen auf 33 (gegen 68'/ 2 und 38 imVorjahr). Dann trat infolge der verhältnismässig knappen Ernteund der starken Nachfrage des Auslandes eine Preissteigerungein, welche im 1. Quartal 1890 mit 60 für Weizen und 45 für