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Ebenso die Tendenz zu einer Vergrößerung der Über-schreitungen. Wie die Überschreitungen häufiger geworden sind,so ist auch der Betrag der Überschreitungen immer grösser ge-worden. Wenn im Jahre 1896 festgestellt werden konnte, dassim ersten Jahrfünft des Bestehens der Reichsbank keine Über-schreitung der Steuergrenze stattfand, dass die grösste Über-schreitung des zweiten Jahrfünfts sich auf 32,7 Mill., des drittenJahrfünfts auf 104,2 Mill., des vierten Jahrfünfts auf 148,3 Mill.belief, so können wir nunmehr die weitere enorme Steigerungauf 371,2 Mill. M. konstatieren.
Wie bis zum Ende des Jahres 1895, so haben sich auch inden letzten vier Jahren die Quartals- und Jahresschlüsse durchÜberschreitungen der Steuergrenze ausgezeichnet. Aber währendbis zum Ende des Jahres 1895 nur das dritte und vierte Quartalmit Überschreitungen abschlössen, hat seit dem Jahre 1896 einjeder Quartalwechsel ausnahmslos eine Überschreitung gebracht,die sich seit dem Jahre 1898 stets auch noch mindestens aufdun ersten Wochenausweis des neuen Quartals erstreckt hat.Während ferner in der früheren Zeit nur im Jahre 1890 dieEnde September eingetretene Kontingentsüberschreitung sich imfolgenden Monat noch dreimal wiederholte, befand sich dieReichsbank im Jahre 1898 im ganzen letzten Quartal mit Aus-nahme der zwei ersten Dezemberwochen in der Jvotensteuer —ein Fall, der sich in diesem Jahre olfenbar wiederholt.
Das Verhalten der Reichsbank bei den neueren Über-schreitungen der Steuergrenze entspricht durchaus der in denfrüheren Jahren beobachteten Praxis. Bei 19 unter den 43 seitdem Beginn des Jahres 1896 eingetretenen Überschreitungen hatdie Reichsbank einen Diskont von weniger als 5% gehalten, bei11 fällen stand sie mit ihrem Diskont auf 5 1 /, und 6%. Beiden Überschreitungen, welche in den letzten Jahren am Schlussdes II. und III. Quartals stattfanden, die aus den Verhältnissenunseres Zahlungsverkehrs hervorgehen und einen sofortigenRückfluss von Barmitteln erwarten lassen, hat die Reichsbankkeine Diskonterhöhungen vorgenommen. Dagegen ist sie in denletzten Jahren zweimal, als eine Kontingentsüberschreitung nochin weiter Eerne lag, mit ihrem Diskontsatz in die Höhe gegangen,Aveil ein Goldexport nach dem Ausland die Goldbestände Deutsch-lands zu schwächen drohte; einmal im April 1898, zur Zeit des
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