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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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spanisch-amerikanischen Krieges, als die Vereinigten Staaten vonaberall her Gold an sich zn ziehen suchten; zum zweitenmalim August dieses Jahres (1899), als die Bank von England ,offenbar in Hinblick auf den bevorstehenden Transvaalkrieg,grosse Anstrengungen zur Stärkung ihrer Goldreserve machte undGold von Deutschland nach London verschifft wurde.

Von der grössten Bedeutung für die Diskontpolitik derReichsbank während der letzten Jahre war jedoch der enormgewachsene innere Geldbedarf Deutschlands , welcher aus dem inder zweiten Hälfte des Jahres 1895 beginnenden grossen wirt-schaftlichen Aufschwung hervorgegangen ist. Jede wirtschaftlicheAufwärtsbewegung erzeugt ein gesteigertes Bedürfnis nach Zahlungs-mitteln. Vermehrte Umsätze, erhöhte Preise und Löhne, dieErweiterung und Gründung von Unternehmungen erfordern einegrössere Menge von flüssigem Geld, und der gesteigerte Bedarfäussert sich in letzter Linie bei der Zentralnotenbank, welcheim Weg der Diskontierung von Wechseln und der Lombardierungvon Effekten und Waren sowohl Metallgeld als auch namentlichNoten an den Verkehr abgiebt.

Aus der Tabelle II des Anhangs geht hervor, wie sehr sichdie Ausdehnung des ungedeckten Notenumlaufs der Reichsbankin Abhängigkeit befindet von der allgemeinen wirtschaftlichenKonjunktur. Bis 1879 sehen wir, zusammenfallend mit derwirtschaftlichen Depression, welche auf die Krisis von 1873 folgte,ein fortgesetztes Zusammenschrumpfen der ungedeckten Noten bisauf 78 1 /, Mill. M. Die Zeit von 1879 bis 1882, welche ein Wieder-aufleben der Volkswirtschaft brachte, zeigt eine Steigerung desdurchschnittlichen ungedeckten Notenumlaufs bis auf 152 Mill. M.Die im Jahre 1883 beginnende Periode des Niedergangs und derallgemeinen Geschäftsstockung zeigt eine fast ununterbrocheneAbnahme der ungedeckten Noten. Im Durchschnitt des Jahres1888 war der durchschnittliche Notenumlauf der Reichsbanksogar um etwas kleiner als ihr Barvorrat. Abermals folgte nunmit dem Wiedererwachen des Unternehmungsgeistes eine starkeSteigerung der ungedeckten Notenausgabe, bis auf 152 Mill. M.im Jahre 1890. Die neue Depressionsperiode, welche bis 1895dauerte, Hess den ungedeckten Notenumlauf wieder erheblich zu-sammenschrumpfen. Im Jahre 1894 betrug er nur noch30,6 Mill. M. In der zweiten Hälfte des Jahres 1895 begann