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des französischen Krieges und nach der Gründung des Reichessich nicht zu dem grossen und kühnen Schritt von der Silber-währung zur Goldwährung entschlossen hätte, wenn es zauderndbei halben Massregeln stehen geblieben wäre oder in seiner altenHamletrolle überhaupt keinen Entschluss hätte finden können: werkann heute noch — bei einem Blick über die weltumfassendenwährungspolitischen Umwälzungen des letzten Vierteljahrhunderts— einen Zweifel daran hegen, dass es den Ubergang zur Gold-währung später unter viel schwierigen Umständen hätte bewerk-stelligen müssen?
Dass wir zur Goldwährung gekommen sind, dass fast dieganze Welt zur Goldwährung gekommen ist, war eine vonmenschlicher Willkür gänzlich unabhängige, aus unabänderlichenVerhältnissen hervorgehende Notwendigkeit. Dass Deutschland unter den denkbar günstigsten Verhältnissen den not-wendigen Schritt gethan hat, das ist das unvergängliche Verdienstder Männer, welche an der deutschen Münzgesetzgebung mit-gearbeitet haben.
Wir brauchen nur einen Blick auf den Gang der Dinge inunserm westlichen Nachbarlande zu werfen.
Das glänzende napoleonische Frankreich , dessen Staatsmännerdie Zügel der Weltgeschichte in der Hand zu halten glaubten,das gerade in der Münzfrage auf pomphaften Kongressen mitweltbeglückenden internationalen Verbrüderungsideen paradierte,zeigte eine kraftlose Schwäche in seinen eigenen Entschlüssen.Seit dem Beginn der fünfziger Jahre beschäftigte es sich mitfortgesetzten Untersuchungen und Prüfungen der Währungs-verhältnisse. Die Ströme neuen Goldes, welche damals ausKalifornien und Australien nach Europa kamen, welche ins-besondere in Frankreich eindrangen und dort den bisherigenSilberumlauf verdrängten — eine Folge des bimetallistischen
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Geldsystems —, erweckten überall das Gefühl, dass man vorden Anfängen einer grossen Umwälzung des Geldwesens stehe.In Deutschland wurde damals Adolf Soetbeer zum eifrigenVorkämpfer der Goldwährung, weil er in dem Golde einen denmodernen Bedürfnissen besser entsprechenden Geldstolf sah, alsin dem schwerfälligen Silber, und weil er erkannte, dass diegrossen Goldfunde den Ubergang zur Goldwährung praktisch er-möglichten. In Frankreich dagegen befiel den grössten